Bleiben Sie bloß im Bett!

  • Sie schniefen und husten – und sind trotzdem im Büro? Das ist nicht pflichtbewusst, sondern egoistisch. Bitte kommen Sie nicht zur Arbeit. Ich will Ihre Grippe nicht. Wie geht's? Die Kollegin niest. "Ganz ok", sagt sie mit belegter Stimme. Am Kaffeeautomaten, während der Kaffee in die Kanne tropft, schnäuzt sich ein Kollege die Nase, so saftig, wenn Sie wissen, was ich meine, dass ich Gänsehaut bekomme. In der Konferenz fragt jemand krächzend nach Taschentüchern. "Ich verstehe schon, warum Sie ins Büro gehen: Sie sorgen sich, dass der Chef denkt, Sie seien faul." Präsentismus heißt das Phänomen, [url='http://www.zeit.de/arbeit/2017-10/krank-zur-arbeit-arbeiten-zu-hause-hausarzt/komplettansicht']wenn Menschen ins Büro kommen, obwohl sie krank sind[/url]. Es ist ziemlich verbreitet: Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat herausgefunden, dass [url='http://www.dgb.de/themen/++co++f11f069c-123c-11e8-9107-52540088cada']67 Prozent der Beschäftigten das mindestens einmal im Jahr so halten[/url]. Ich verstehe schon, warum: Sie wollen die Kunden nicht im Stich lassen bei dem großen Projekt, das diese Woche fertig werden muss. Sie sorgen sich, [url='http://www.zeit.de/arbeit/2017-11/krankschreibung-blaumachen-umfrage-auswertung']dass die Kollegen lästern: "Die übertreibt doch."[/url] Oder dass der Chef denkt, Sie seien faul – und eventuell Ihren Vertrag nicht verlängert. Oder Sie sind einfach scharf auf die Prämie, die Ihre Firma Beschäftigten zahlt, die nie krank sind. Bitte, bleiben Sie trotzdem zu Hause, liebe Kollegen! Ich will Ihre Erkältung nicht. [url='https://influenza.rki.de/']Und erst recht nicht die Grippe.[/url] Ich will mir nicht in Besprechungen den Schal über die Nase ziehen müssen, weil Sie neben mir husten. Ich will nicht mit Kolleginnen in die Kantine gehen, die Eukalyptus ausatmen. Und ich will Türen nicht mit dem Ellbogen öffnen müssen, weil Sie vor mir Ihre infizierten Hände auf die Türklinke gelegt haben. "Wie produktiv sind Sie wirklich mit 38,5 Grad Fieber?" [/quote] Natürlich liegen Sie ganz richtig damit, dass Ihr Arbeitgeber nicht erfreut ist, wenn die halbe Belegschaft das Bett hütet. 133 Milliarden Euro gehen den Unternehmen [url='https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitswelt-und-Arbeitsschutz-im-Wandel/Arbeitsweltberichterstattung/Kosten-der-AU/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit_node.html']laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Jahr verloren[/url], weil Beschäftigte sich krankmelden. [url='http://www.zeit.de/karriere/2016-01/praesentismus-grippe-arbeit-krankheit']Aber man muss die Rechnung zu Ende denken[/url]: Wenn Sie sich zur Arbeit schleppen, weil Sie ihr Team nicht hängen lassen wollen und dann alle im Büro anstecken – dann verliert Ihr Arbeitgeber noch mehr Geld durch Ihr Pflichtbewusstsein. Finden Sie Ihre Kollegen wirklich so doof, dass Sie ihnen die Grippe an den Hals wünschen – dass es ihnen so schlecht geht wie Ihnen? Und seien wir mal ehrlich: Wie produktiv sind Sie wirklich mit 38,5 Grad Fieber? Eben. Gehen Sie zum Arzt, der kann einschätzen, wie ansteckend Sie sind. Und wenn Sie dringend arbeiten müssen: Setzen Sie sich ein paar Stunden zu Hause an den Rechner. Trinken Sie viel Tee, schlafen Sie aus. Sie gefährden ja nicht nur die anderen, wenn Sie krank ins Büro kommen. Sondern auch Ihre eigene Gesundheit. Und wenn Sie Ihre Krankheit verschleppen, fallen Sie immer wieder aus. Dann lassen Sie die Kollegen insgesamt noch viel länger im Stich als die paar Tage, die es in der Regel braucht, um eine Erkältung zu Hause auszukurieren. Früher habe ich mich auch krank ins Büro geschleppt. Das mache ich nicht mehr – obwohl ich jetzt ein Ressort verantworte. Und wenn mir eine meiner Kolleginnen mit glasigen Augen und einer laufenden Nase gegenübersitzt, schicke ich sie nach Hause. Vor Kurzem versuchte eine Kollegin, mir zu widersprechen. Gar nicht so schlimm und so. Schön wär's! Natürlich bleibt Arbeit liegen, wenn in meinem kleinen Team jemand fehlt. Aber da erlaube ich keine Widerrede. Nicht nur, weil ich keine Lust habe, mich anzustecken. Sie tat mir auch einfach leid. [url]http://www.zeit.de/arbeit/2018-02/krank-arbeit-grippe-ansteckungsgefahr-kollegen[/url]