Berlin soll binnen zehn Jahren zur Fahrradstadt werden

  • <p>Fahrradpolitisch tat sich einiges am Dienstag: Der Senat beschloss das Radgesetz und präsentierte Ziele für eine Bundesratsinitiative. An der Unfallkreuzung Kolonnenstraße wurde weitermarkiert.</p>
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    <p><a href="https://www.tagesspiegel.de/hasselmann-joern/6046824.html">Jörn Hasselmann</a></p>
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    <p>Das Radgesetz ist durch. Am Dienstag beschloss es der Senat, nun muss nur noch das Abgeordnetenhaus zustimmen – Formsache angesichts der rot-rot-grünen Koalition. Vor zwei Jahren hatte <a href="https://causa.tagesspiegel.de/politik/zu-viele-autos-in-der-stadt/verkehrswende-gemeinsam-knacken.html">die Initiative Volksentscheid Fahrrad</a> Deutschlands erstes Radverkehrsgesetz vorgelegt, um einen Volksentscheid durchzusetzen.</p>
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    <p>In kurzer Zeit hatten die Initiatoren um Heinrich Strößenreuther über 100.000 Unterschriften gesammelt. Bekanntlich kam es zum Volksentscheid nicht, da die Ende 2016 gebildete rot-rot-grüne Koalition die Ziele der Initiative weitgehend übernahm. Berlin soll sich jetzt innerhalb von zehn Jahren zur Fahrradstadt wandeln – aus Sicht der Initiative der entscheidenden Grundstein auch für den Klimaschutz und gegen Fahrverbote.</p>
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    <p>Abgelehnt wird das Gesetz von der Opposition und der Autolobby. Den Kritikern entgegnet Strößenreuther, dass Autos derzeit zwanzigmal mehr Platz auf der Straße zur Verfügung haben als Radfahrer. Der Anteil für den Radverkehr soll sich verdoppeln. So werden Parkplätze künftig in größerer Zahl für den Bau geschützter Radspuren beseitigt. Aktivisten sprechen von mehr „Flächengerechtigkeit“. Autofahrer werden nur zwei Prozentpunkte ihrer Fläche verlieren, rechnet Strößenreuther vor.</p>
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    <p><span style="font-size: 12pt">Die drei zentralen Punkte</span></p>
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    <p>Bis Mitte Juni 2018 will die Verkehrsverwaltung nun eine Bundesratsinitiative für mehr Verkehrssicherheit formulieren. Senatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) nannte diese drei Punkte: Erstens: Eine bundesweite Kampagne zur Einhaltung der Verkehrsregeln. Zweitens: Technische Systeme („Abbiegeassistenten“) sollen die von abbiegenden Lastern ausgehende Gefahr verringern. Drittens: Höhere Strafen für Verkehrssünder, und zwar vor allem für Autofahrer. Denn diese verursachen (vor allem durch zu hohes Tempo) die meisten Unfälle.</p>
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    <p>Für Radfahrer lautet die Senatsformulierung nun so: „Radfahrer müssen sich an die Regeln halten. Fehlverhalten gefährdet die Radfahrer selbst und andere und kann nicht geduldet werden.“ <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr-in-berlin-senatskanzlei-will-fahrradpolitik-verschaerfen/20818764.html">Im Januar war ein Papier der SPD-geführten Senatskanzlei</a> bekannt geworden, in dem unter anderem eine Helmpflicht für Kinder und schärfere Strafen für Radfahrer gefordert werden. Die Radlerlobby hatte dies als „reaktionär“ kritisiert. Die Helmpflicht ist weiterhin Bestandteil der Bundesratsinitiative.</p>
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    <p>Zeitgleich mit dem Senatsbeschluss wurde am Dienstag auf der Kreuzung Kolonnenstraße/Hauptstraße in Schöneberg die Markierung der neuen Radspur fortgesetzt. Hier hatte die Verkehrsverwaltung <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-schoeneberg-rechtsabbiegender-lkw-toetet-radfahrerin/20875818.html">nach dem tödlichen Fahrradunfall vor vier Wochen</a> erstmals schnell gehandelt. <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/nach-toedlichem-unfall-in-schoeneberg-unfallstelle-schnell-entschaerft/20971734.html">Eine der beiden Spuren für Autos ist am Ende der Kolonnenstraße</a> zugunsten einer rot markierten Radspur entfallen. Diese wird, wie berichtet, von vielen Kfz noch missachtet. Aktivisten fordern deshalb eine bauliche Trennung durch Poller.</p>
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    <p><a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/senat-beschliesst-radgesetz-berlin-soll-binnen-zehn-jahren-zur-fahrradstadt-werden/20983246.html">https://www.tagesspiegel.de/be…tadt-werden/20983246.html</a></p>

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!

  • Hannover hat sich ja im Zuge der Diskussion um Dieselfahrverbote auch nicht lumpen lassen. Zumindest mit roter Farbe will Hannover in Zukunft nicht sparen, wenn es um die Förderung der Radverkehrsinfrastruktur geht:
    "Alle Radfahrstreifen auf der Straße sollen rot markiert werden, insbesondere auf Kreuzungen werden die Wege für Radler auf diese Weise besser ersichtlich." HAZ vom 27.2.2018 http://www.haz.de/Hannover/Aus…sungsansaetze-in-Hannover



    Hier gibt es bereits eine Rotmarkierung (Einmündung Archivstraße in die Lavesallee)




    Hier fehlt noch die rote Farbe (Braunstraße in Höhe der Haltestelle Glocksee)



    Und so sähe der Radfahrstreifen mit Rotmarkierung aus.



    Allerdings: Wo wird dafür an anderer Stelle gespart werden? Auch wenn es "nur" Rotmarkierungen sind, diese anzulegen ist trotzdem recht kostspielig. Wenn dafür an anderen Stellen beim Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur gespart würde, dann fehlte dort das Geld.



    Und diese Lösung ist politisch billig, denn es wird dem Autoverkehr kein Quadratzentimeter Verkehrsfläche damit streitig gemacht. Was dagegen wirklich not tut ist eine Verringerung der Verkehrsfläche (auch Parkplätze) für den Autoverkehr, zum Beipiel auf der Vahrenwalder Straße, aber auch an vielen anderen Straßen, ist anders keine vernünftige Radverkehrsinfrastruktur herzustellen.

  • Auf der Hildesheimer Straße, am Heinrich-Heine-Platz, stadteinwärts, wurde mit weißer Farbe der vorhandene Radweg nach rechts auf den Fußweg verlegt, damit die Leute, die da in einen Bus einsteigen sollen/wollen, nicht die Radfahrer behindern. Sehr verwirrend. Ich fahre jedesmal anders. Mal den ursprünglichen Radweg, mal den neu gekennzeicheten.

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!

  • Auf der Hildesheimer Straße, am Heinrich-Heine-Platz, stadteinwärts, wurde mit weißer Farbe der vorhandene Radweg nach rechts auf den Fußweg verlegt, damit die Leute, die da in einen Bus einsteigen sollen/wollen, nicht die Radfahrer behindern. Sehr verwirrend. Ich fahre jedesmal anders. Mal den ursprünglichen Radweg, mal den neu gekennzeicheten.

    Die von dir beschriebene Situation sieht man deutlich auf diesem google-maps-Satellitenbild-Bild: https://www.google.de/maps/@52….06h,45.05t/data=!3m1!1e3
    Radverkehr vorbei an Bushaltestellen ist immer eine schwierige Angelegenheit.
    Grundsätzlich gilt, dass der Radfahrer hinter dem Bus warten muss, so das aus- oder einsteigende Fahrgäste nicht gefährdet werden. Oder aber er muss so vorsichtig vorbeifahren, dass eine Gefährdung ausgeschlossen ist. Das ist in der StVO § 20 Abs. 2 geregelt.
    Dort steht: "Wenn Fahrgäste ein- oder aussteigen, darf rechts nur mit Schrittgeschwindigkeit und nur in einem solchen Abstand vorbeigefahren werden, dass eine Gefährdung von Fahrgästen ausgeschlossen ist. Sie dürfen auch nicht behindert werden."


    Meines Erachtens ist es nicht möglich direkt an einem an der Haltestellen haltenden Bus rechts vorbeizufahren, ohne das Risiko einzugehen, damit Fahrgäste zu gefährden. Deshalb rate ich sehr dazu in so einem Fall zu warten, denn es kann jederzeit sich die Türe öffnen und ein Kind oder auch ein Erwachsener herausstürmen. Wenn der Radweg in eiem geschwungenen Bogen um den Einsteigebereich herumgeführt wird, dann hat der Fahrgast immer noch ein Vorrangsrecht. Allerdings hat man dann als Radfahrer eine bisschen bessere Chance zu reagieren.


    "Die Regelungen des Abs. 2 verschaffen den
    Fahrgästen umfassende Vorrechte gegenüber dem Fahrverkehr, die sichzeitlich auf ihre Ein- und Aussteigevorgänge erstrecken. Unter dem Vorgang des "Ein- oder Aussteigens" ist dabei das räumliche Betreten oder Verlassen des Innenraumes öffentlicher Verkehrsmittel zu verstehen. Während dieser Zeit dürfen Fahrzeugführer rechts von den ein- oder aussteigenden Fahrgästen an dem Verkehrsmittel nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren. Sie müssen stets auch mit unvorsichtigem Verhalten von Fahrgästen rechnen, so dass der Vertrauensgrundsatz auf ein pflichtgemäßes Verhalten von Fußgängern, dersonst gem. § 1 Abs. 1 allgemein gilt, in Haltestellenbereichen auf Grund der ort allenthalben anzutreffenden hektischen Bewegungen der Fahrgäste außer Kraft gesetzt ist .Die Regelungen des Abs. 2 gelten nur für die rechts erfolgendeVorbeifahrt und beschränken sich daher für Haltevorgänge, die ntwederin der Mitte der Fahrbahn erfolgen oder Haltevorgänge am rechtenFahrbahnrand, wenn sich rechts von der Fahrbahn noch ein Rad- oderFußweg befindet, auf dem Radverkehr stattfindet." http://www.schulbus.net/record…alten/040517verhalten.htm


    Was mich jedoch immer ärgert ist, die Tatsache, dass auch Autofahrer, die links am Bus vorbeifahren, dass nur sehr vorsichtig machen dürfen. Und wenn der Bus Warnblinklicht anschaltet, dann sogar nur in Schrittgeschwindigkeit und stets bremsbereit, weil ein Fahrgast, der aus dem Bus aussteigt und dann sofort die Straße überquert, in einer solchen Situation (Bus hält mit Warnblinklicht) ebenfalls Vorrang hat. Leider wird das von der Polizei ungenügend kontrolliert und von der Üstra entsprechende Kontrollen im Sinne ihrer Fahrgäste zu wenig eingefordert. Und mit Warnblinklicht halten die Busse nur an wenigen Haltestellen. Die Üstra und die Polizei argumentieren, dass die Autofahrer nicht dazu zu erziehen seien, dass sie an dieser Stelle die Verkehrsregeln einhalten. Also wird darauf verzichtet, dass Omnibusfahren für die Fahrgäste sicherer zu machen.

  • Verringerung der Parkfläche?


    Ich bin eher dafür, dass die Parkflächen vergrößert werden. In den heutigen Zeiten, in denen man als Frau auch gern abends im Dunkeln sicher nach Hause kommen möchte, bevorzuge ich mein Auto.
    Dazu kommt noch, dass ich bei mir für ein Einzelticket 3,50 für 4 Stationen mit der Bahn und für ein Tagesticket 7 Euro zahlen müsste.


    Da bin ich mit dem Auto sicherer, günstiger und schneller.


    Zu dem Thema Autofahrer erziehen zu wollen, mehr Kontrollen oder sich über an Bussen vorbeifahrenden Autofahrern ärgern, schreibe ich jetzt lieber nichts.
    Sonst sperrt mich hier der Admin ;-) Aber das spricht ja schon für sich ;-)


    Ich wünsche noch einen wunderschönen sonnigen Tag. Heute konnte ich endlich mal wieder offen fahren ;-)

  • Na hoffentlich hast du ein Kopftuch getragen, damit keine Mittelohrentzündung droht.
    Natürlich haben Frauen einen enormen Nachholbedarf, was die Autofahrerei angeht. Das war schließlich über vielen Jahrzehnte eine absolute Männerdomäne. In manchen Ländern ist das heute noch so. Da müssten aufgrund ausgleichender Gerechtigkeit die Frauen mindestens auf mehrere Jahre hinaus ein absolutes Fahrmonopol haben gegenüber Männern.
    Gilt übrigens auch für die Menschen in den sogenannten "Entwicklungsländern". Die haben dann ja auch einen erheblichen Anspruch darauf, in dem hohen völlig unvernünftigen Umfang mit Autofahrerei die Erde zu Grunde zu richten, wie das die Menschen in den sogenannten "entwickelten Ländern" ja auch schon seit Jahrzehnten getan haben.
    Ich befürchte jedoch, dass macht so betrachtet alles wenig Sinn. Und ich halte es insbesondere im Sinne der Solidarität mit den Geschlechtsgenossinnen, die über kein Auto verfügen oder es aus anderen Gründen ablehnen ein Auto zu fahren, sinnvoller, etwas dafür zu tun, dass die öffentlichen Verkehrsmittel als etwas sehr Sicheres wahrgenommen werden. Objektiv betrachtet sind sie ja jetzt schon deutlich sicherer als die Autofahrerei aber leider werden sie nicht immer so wahr genommen.
    Für 7 Euro kommst du übrigens mit dem Auto nicht sehr weit. Der ADAC berechnet beispielsweise für den Golf einen Kilometerpreis von 40 Cent (Für ein Golf Cabriolet dürfte der Kilometerpreis vermutlich noch etwas höher liegen.)
    Da kommst du mit 7 Euro gerade mal 17,5 km weit. https://www.adac.de/infotestra…sten-rechner/default.aspx Da kannste dann auch ein Tagesticket nehmen. Für 7 Euro sind das immerhin schon zwei Zonen, die Zone Hannover und die Zone Umland. https://www.gvh.de/fileadmin/D…Region_100x70_2018_gs.pdf Das heißt, du kannst zum Beispiel von Rethen bis zum Hauptbahnhof fahren. Einfache Strecke: rund 13 bis 14 km. Da hast du den ADAC-Angaben entsprechend deine 7 Euro schon fast komplett durch den Auspuff gejagt. Mit der Tageskarte dagegen kommst du auch wieder nach hause zurück, ohne etwas zu den 7 Euro dazubezahlen zu müssen!

  • Mit Sicherheit nicht. Mit Kopftüchern habe ich Probleme und lehne diese ab, aber das ist ein ganz anderes Thema ;-)


    Einen Nachholbedarf, was die Autofahrerei angeht, den gibt es bei mir ebenfalls nicht.


    Objektiv betrachtet laufe ich garantiert weniger Gefahr überfallen zu werden, wenn ich abends auf dem Weg nach Hause mit meinem Auto fahre statt mit der Bahn und dann durch die Dunkelheit gehen muss.
    Zum Aegi und zurück fahre ich mit dem Auto für 5 Euro, das kostet mich weniger als mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ist sicherer.


    Meine Pakete und Colakisten möchte ich auch weder durch die Bahn tragen noch auf dem Fahrrad transportieren.
    Ein Auto ist für mich einfach der Inbegriff der Freiheit. Jederzeit zu jedem Ort fahren können, wann immer ich das möchte. Ohne mich auf vorgegebene Abfahrtzeiten festlegen zu müssen.


    Zu meinem Termin nach Westerstede werde ich trotzdem mit dem Zug fahren.
    Für ein 23 Euro Niedersachsenticket mehr als 400 km fahren und dabei nur 1 Stunde mehr als im Auto zu opfern, das ist in meinen Augen ein Angebot ;-)

  • Objektiv betrachtet laufe ich garantiert weniger Gefahr überfallen zu werden, wenn ich abends auf dem Weg nach Hause mit meinem Auto fahre statt mit der Bahn und dann durch die Dunkelheit gehen muss.Zum Aegi und zurück fahre ich mit dem Auto für 5 Euro, das kostet mich weniger als mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ist sicherer.

    Objektiv betrachtet gab es im Jahr 2016 insgesamt 17 Mordopfer im Zusammenhang mit Raubdelikten in Deutschland. https://de.statista.com/statis…bdelikten-in-deutschland/
    Und es gab - ebenfalls objektiv betrachtet - 3214 Todesopfer bei Autoverkehrsunfällen. Die meisten davon starben übrigens im Fahrzeug. http://www.faz.net/aktuell/ges…todesopfern-14893266.html


    Was die Reisekosten für's Auto von 40 Cent pro Kilometer angeht: Die hat der ADAC-Rechner ermittelt! Ich glaub nicht, dass der so eingestellt ist, dass er die Kosten künstlich in die Höhe treibt. Für 5 Euro kämst du also gerade mal 12,5 km weit, das entspricht ca. 6 km einfache Strecke. Je nachdem wo du wohnst musst du dann schon das Zone-Hannover + Umland Tageseinzelticket für 7 Euro berappen. Mit 'ner Monatskarte wird's freilich günstiger! Oder in 'ner kleinen Gruppe, dafür gibt's Gruppentickets und man ist nicht nur objektiv sicherer, sondern auch subjektiv.

  • 17 Mordopfer? Die wenigsten Raub- und Vergewaltigungsopfer werden getötet.


    Es geht mir eher darum, nicht eines der 6.372.526 Opfer aus der Statistik 2016 zu werden: https://de.statista.com/statis…lich-erfasste-straftaten/


    Das diese Zahlen in 2017 eher zu- statt abnehmen werden, das sollte jedem bewusst sein, der einigermassen klar denken kann.



    Ich rechne grundsätzlich die reinen Benzinkosten bei meinen Fahrten, da ich meine Autos ohne Verlust wieder verkaufe. Daher sind ADAC-Rechner für mich persönlich irrelevant.