Ein Wochenende mit Apples HomePod

  • In den USA, in Australien und Großbritannien gibt es ihn schon: Apples Lautsprecher HomePod. Ein intensiver Test zeigt: Die Soundqualität ist beeindruckend - familientauglich ist er aber noch nicht.
    Im Juni hatte Apple ihn angekündigt, im November den Starttermin verschoben, jetzt ist es soweit: Sei dem 9. Februar kann man den HomePod kaufen. Allerdings ist der neue Apple-Lautsprecher vorerst nur in den USA, Australien und Großbritannien verfügbar. In Frankreich und Deutschland soll er im Frühjahr auf den Markt kommen. So lange wollte ich mit meinem Test nicht warten. Also entschloss ich mich zu einer Reise nach Schottland, wo ich für 319 Pfund (360 Euro) ein Exemplar kaufen konnte.
    Ich bekam das Gerät also mit einem britischen Stromstecker, damit hatte ich gerechnet. Was ich nicht wusste: Das zugehörige Kabel ist kein Standardkabel, sondern eine Spezialanfertigung, mit Textilfasern umwickelt und kaum trennbar mit dem Gerät verbunden. Für den weiteren Einsatz des HomePod in Deutschland werde ich also einen Adapterstecker einsetzen. Noch eine Folge des an sich schicken Kabels: Es kann nur bei Apple ausgewechselt werden, sollte es kaputt gehen. Bislang ist dafür nur der US-Preis von 29 Dollar bekannt.
    Nachdem der HomePod mit Strom versorgt ist, brauche ich keine drei Minuten für die übrige Installation. Ich halte kurz mein iPhone an seine Seite, fast augenblicklich öffnet sich ein Fenster auf dem Handy, das mich zur Konfiguration des neuen Lautsprechers auffordert. Ich beantworte ein paar Fragen und schon werden die Daten meines Apple-Accounts und meines WLANs an den HomePod übertragen. Damit das klappt, braucht man ein Apple-Gadget, auf dem mindestens ein Apple-Betriebssystem mit der iOS Version 11.2.5 läuft. Wer einen HomePod will, muss sich also in den Apple-Kosmos begeben.
    Dann steht der erste Soundcheck an. Apple hat nach eigenen Angaben sechs Jahre Entwicklungszeit in den HomePod gesteckt. Dabei haben sich die Ingenieure von alten Lautsprecherkonzepten gelöst. Der Basslautsprecher ist beim HomePod oben im Gehäuse angebracht, seine sieben Mittelhochtöner unten. Sie strahlen leicht angewinkelt nach oben, um Reflexionen von der Oberfläche, auf der der HomePod steht, zu minimieren.
    So hat das System, das den Klang steuert, mehr Kontrolle über den Sound. Und dieses System arbeitet sehr effektiv. Es passt die Tonausbreitung beim Abspielen von Musik an den jeweiligen Song und den Raum an. So soll der HomePod immer gleich klingen, egal, ob er im Wohnzimmer steht, in der Küche, im Schlafzimmer oder im Keller.
    So klein und doch so fett
    Und tatsächlich: Egal wo ich den kleinen, aber mit 2,5 Kilogramm recht schweren Lautsprecher aufstelle, er klingt immer gut, nein, er klingt exzellent. Bässe holt er tief und trocken aus dem Basskeller heraus, die Mitten sind transparent, Höhen klar und deutlich ausgeprägt. Und das bei jeder Lautstärke und jeder Musikrichtung.
    Bemerkenswert ist, wie es dem HomePod gelingt, Musik auf einer virtuellen Klangbühne regelrecht aufzufächern. Apple nutzt dazu eine Technik namens Beamforming, die es Lautsprechern ermöglicht, bestimmte Sounds in bestimmte Richtungen abzuspielen. So werden Instrumente und Stimmen, die im Mix sehr präsent sind, vom HomePod eher mittig platziert. Chöre, Streicher und alles, was der Musik Räumlichkeit gibt, ertönt seitlich vor oder hinter dem HomePod. Das Ergebnis ist ein viel breiteres Klangbild, als man es von einer einzigen Lautsprecherbox erwarten würde.
    Ein Update wird kommen
    Im direkten Vergleich mit einem Amazon Echo, einem Google Home und einer Sonos One lässt der HomePod seine Konkurrenten dumpf und blass erscheinen und auch verschiedene Stand- und Regalboxen lässt er alt klingen. Sein Sound ist nicht analytisch, aber detailliert. Wie gute Kopfhörer bringt er viele Feinheiten zu Gehör. So etwa die Saitengeräusche im Basssolo von Daft Punks "Giorgio by Moroder" oder die räumliche Verteilung der Toms auf Fleetwood Macs "Tusk".
    Ein Teamspieler ist der HomePod in seiner aktuellen Version allerdings nicht. Weder kann man zwei Stück zu einem Stereopaar kombinieren, noch gibt es eine Multiroom-Funktion. Sonos bietet solche Möglichkeiten seit Jahren. Apple verspricht beides im Laufe des Jahres als Update nachzuliefern.
    Im Einzelspielermodus
    Lästig, sofern man nicht als Single lebt, ist auch, dass sich jeweils nur ein Apple-Account mit dem HomePod verknüpfen lässt, selbst wenn man ein Familienabo für Apple Music hat. So kann man immer nur auf die Playlisten eines Nutzers zugreifen und alles, was andere Familienmitglieder dem Gerät abfordern, wirkt sich auf den Account des Hauptnutzers aus. Wenn also die Kinder tagsüber Bibi und Tina auf dem HomePod hören, werden bald auch dem Vater oder der Mutter auf iPhone und iPad Hörspiele für Kinder vorgeschlagen. Um das zu verhindern, muss man in den HomePod-Einstellungen die Option Hörverlauf verwenden abschalten.
    Hinzu kommt, dass sich der HomePod nur mit einem Abo von Apple Music voll ausnutzen lässt. Spotify, Deezer oder Tune-in-Radio lassen sich nicht per Sprache aktivieren. Stattdessen muss man die jeweilige App auf dem iPhone oder iPad aufrufen und die Musik umständlich via AirPlay auf den HomePod streamen.
    Das ist auch deshalb schade, weil die Sprachsteuerung von Musik über die Mikrofone des HomePod ansonsten sehr gut funktioniert. Sogar wenn im Raum laut gesprochen oder Musik gehört wird, reagiert das Gerät meist gut auf Kommandos. Das klappt auch im Zusammenspiel mit Smart-Home-Geräten, wie etwa den Hue-Lampen von Philips, die sich über den HomePod bequem per Sprache ein- und ausschalten lassen. Wenn es um allgemeine Fragen geht, kann Siri aber nicht mit Amazons Alexa oder dem Google Assistant mithalten.
    Vorteile und Nachteile
    Überragender Sound
    Sehr einfache Installation
    Sehr einfach zu bedienen
    Sehr gute Verarbeitungsqualität
    Noch kein Stereomodus, kein Multiroom-Modus
    Kein Webradio
    Spotify etc. nur per AirPlay
    Siri nicht so flexibel wie Alexa


    http://www.spiegel.de/netzwelt…r-mit-siri-a-1192991.html