Dieser Student aus Hannover hilft bei der Fahrpreiserstattung

  • Kommt der Zug deutlich zu spät, gibt es Geld zurück. Theoretisch. Denn erst muss der Bahnkunde ein „Fahrgastrechte-Formular“ ausfüllen. „Und das ist unnötig kompliziert“, findet Student Philipp Löffler aus Hannover. Er hat jetzt einen Web-Service entwickelt, der die Sache deutlich verschlankt.


    Hannover. Was Bahnfahren angeht, ist Philipp Löffler selbst ein gebranntes Kind. Der gelernte Programmierer, Wirtschaftsinformatiker und Student aus Hannover nutzt seit Jahren regelmäßig die Bahn – und kam immer wieder mit ihr zu spät. Doch eine Fahrt 2016 brachte bei ihm das „Fass zum überlaufen“ und ihn auf die Idee, gebeutelten Bahnfahrern unter die Arme zu greifen, damit sie ein Teil ihres Geldes zurückbekommen: Bei der sonst eher komplizierten Fahrpreiserstattung.


    „Ich war damals zu einem privaten Termin unterwegs“, erinnert sich der Student. „Der Zug hatte eine ganze Stunde Verspätung. Den Termin habe ich natürlich nicht mehr geschafft.“ Das war ärgerlich. Doch noch wütender wurde Löffler, als er versuchte, sich über die Bahn einen Teil der Ticketkosten zurückzuholen. „Dazu hat grundsätzlich jeder Fahrgast das Recht“, erklärt der 25-Jährige. In der Theorie klingt der Vorgang sogar recht einfach: Die Verspätung bestätigen lassen, ein Formular ausfüllen und mit Belegen postalisch an das Servicecenter schicken – so die Anleitung auf Bahn.de. „Doch der Vorgang ist unnötig verkompliziert“, so der Student. „Neben den eigenen Stammdaten muss der Kunde die Nummer des Zugs heraussuchen, genaue Abfahrt, genaue Ankunft, tatsächliche Abfahrt und mehr.“ Dazu kommen Kleingedrucktes und Einschränkungen, wie die Preiserstattung erst ab einer Verspätung von 60 Minuten. Löffler: „Ich habe mich beim Ausfüllen damals maßlos darüber geärgert.“

    Die Idee zur Einfachheit

    Schnell kam ihm der Gedanke, dass auch andere von diesem Verfahren genervt, wenn nicht sogar abgeschreckt würden. „Und ich bin sicher, dass die Bahn es selbst einfacher machen könnte. Das war mein Ansporn, mich dem Problem anzunehmen.“


    Ein Jahr recherchierte der Wirtschaftsinformatiker, bevor er mit der an die Entwicklung des Web-Services ernst machte. Das Ergebnis: die Internetseite www.fahrpreiserstattung.de. „Über unsere Seite wird für die Erstellung des Erstattungsformulars statt rund zehn Minuten lediglich nur noch eine Minute zur Erstellung benötigt“, sagt Löffler. Das Prinzip funktioniert so: Hat der Nutzer den Tag seiner Reise in einer Kalenderauswahl angeklickt, werden ihm die an diesem Tag verspäteten Züge aus der Datenbank angeboten. Der große Vorteil: Zugnummer, Ankunftszeit, Verspätung und weitere Daten werden per Software automatisch ins Formular übertragen. „Das muss also keiner mehr selbst heraussuchen“, erklärt der Entwickler. Das so erstellte PDF muss allerdings noch selber ausgedruckt und per Post verschickt werden. „Ich gehe stark davon aus, dass die Formulare in Zukunft auch online verschickt werden können. Dann spart sich der Bahnfahrer Papier und Briefmarke“, erklärt er.

    Geld ist nicht der Ansporn

    Notwendig ist allerdings die Preisgabe von Name, Adresse etc. Logischerweise, denn sie sind zum Ausfüllen des Fahrgastrechte-Formulars ohnehin nötig. Gerade für Vielfahrer und Pendler ist das so erstellte Nutzerkonto allerdings auch praktisch: „Die geben ihre persönlichen Daten einmal ein und brauchen bei den nächsten verspäteten Fahrten nur noch den Zug herauszusuchen.“


    Der Service ist übrigens kostenfrei. „Ich mache kein Geld mit dem Service, mit den Daten und auch nicht per Werbung. Vielleicht kann ich irgendwann etwas damit verdienen, wenn ganz viele Leute die Internetseite nutzen“, so der Student. Nach zwei Wochen Laufzeit habe er aber erst 40 Nutzer. „Die Internetseite ist schlichtweg noch zu unbekannt“, erklärt er. Geld sei aber auch gar nicht Antrieb Nr. eins. „Im Grunde wünsche ich mir als Kunde, dass die Bahn selbst ihren Erstattungsservice vereinfacht.“

    Von Simon Polreich


    http://www.neuepresse.de/Hanno…verspaetete-Zuege-einfach

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!