Dieser Nachtwächter geht künftig in Linden auf Tour

  • Stadtführer Klaus-Peter Fuhrmann streift künftig als Nachtwächter Hinnerk Jansen durch das abendliche Linden. Auch Kenner des Viertels können bei den Touren noch etwas lernen.


    Hannover. Prüfend schweift sein Blick hinauf zum Nachtwächterbrunnen. „Der Kollege da oben sieht schon noch etwas anders aus als ich“, sagt Klaus-Peter Fuhrmann selbstkritisch. Dabei könnte der großgewachsene Mann mit dem pittoresken Schlapphut, der mit Laterne, Horn und Hellebarde auf dem Lindener Marktplatz steht, die Skulptur dort oben problemlos ersetzen. Der Nachtwächter auf dem Brunnen bekommt jetzt Konkurrenz: Vom kommenden Monat an wird auch Fuhrmann hier als Nachtwächter auf dem Posten sein. In seiner malerischen Montur will er Besuchern das abendliche Linden zeigen.


    „Schon als Schüler habe gerne Leute durch Hannover geführt“, sagt der gebürtige Lindener, der seit 2007 als freischaffender Stadtführer arbeitet. Mal ist er dabei mit Kapuze als schröcklicher Henker Asmus Smeth unterwegs, mal als Reformator Anton Corvinus mit Bibel und Barrett. Insgesamt 18 Führungen hat er im Repertoire – und demnächst ist er eben auch als Nachtwächter Hinnerk Jansen auf Achse.

    Gefangene im „Hundeloch“

    „Ich versuche, geschichtlich exakt zu sein – doch es darf ruhig einen gewissen Unterhaltungswert haben“, sagt Fuhrmann. Historisch verbürgt ist ein Nachtwächter namens Hinnerk Jansen in Linden nicht, doch es sei gesichert, dass Alt- und Neulinden lange jeweils eigene Nachtwächter hatten, versichert der 60-Jährige. Nach dem Zusammenschluss der Orte 1856 musste dann ein einziger reichen.

    In dieser Zeit spielt auch seine Führung. Der Unternehmer Georg Egestorff braucht Arbeiter für seine Fabriken, wir stehen knietief in der Industrialisierung – und seinen Besuchern hat Fuhrmann die Rolle der arbeitssuchenden Fremden zugedacht, die Linden erst noch kennenlernen müssen. So geht es zum schmucken Lichtenbergplatz und weiter zur Wittekindstraße.


    „Hier fing alles an“, sagt Fuhrmann dort und schwenkt seine Laterne. Um 1115 soll Graf Widukind von Schwalenberg hier unter mächtigen Linden Gericht gehalten haben. An der St. Martin-Kirche erinnert der Nachtwächter dann an das Grabmahl der Egestorffs, das sich hier befand, bis der Krieg den Friedhof verwüstete. Und er zeigt das nahe „Hundeloch“: „Dies sind die Reste des Lindener Gefängnisses“, sagt er und blickt auf die Fundamente und das Fenstergitter im Boden. „Linden hatte nur eine niedere Gerichtsbarkeit, hier wurden keine Todesurteile gefällt – aber hier im Gefängnis zu landen, konnte schon sehr unangenehm sein.“


    Rund 90 Minuten dauert die Tour, bei der auch echte Linden-Kenner noch etwas lernen können. Zum Beispiel über den Von-Alten-Garten: „Das war mal eine echte Konkurrenz zu Versailles“, sagt Fuhrmann mit einer gehörigen Portion von jenem Lokalpatriotismus, der echten Lindenern eigen ist. Da ist ein Nachtwächter nicht anders als alle anderen auch.


    Die ersten Nachtwächtertouren beginnen am 2. Oktober, 20. Oktober und 7. November jeweils um 19 Uhr. Der Preis beträgt 6 Euro. Anmeldung unter klaus-peter.fuhrmann@web.de.

    Von Simon Benne


    http://www.haz.de/Hannover/Aus…achtwaechter-durch-Linden

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!