Analoges TV und Radio müssen aus dem Kabelnetz

  • Das Kabelnetz hat keinen Platz mehr für TV- und Radiosender, die in herkömmlicher analoger Technik eingespeist werden. Alles soll digital werden – jetzt stehen die Umstellungstermine für die Region Hannover fest. Die NP erklärt, was geschieht und gibt Tipps.


    Schluss mit herkömmlichem TV und Radio im Kabelnetz: Vodafone (ehemals Kabel Deutschland) und die Deutsche Telekom schalten demnächst in der Region Hannover ihre analog verbreiteten Programm ab – dann wird es Radio und Fernsehen aus der Kabelnetzanschlussdose nur noch in digitaler Form geben (so, wie schon länger über Antenne und nach und nach in der ganzen Bundesrepublik).

    Wenn es betrifft

    Vodafone – hat seit der Übernahme von Kabel Deutschland in der Region mehrere hunderttausend Kundenanschlüsse - schaltet das analoge Signal am Dienstag, 25. September ab, die Telekom – hat hier etwa 30 000 Haushalte an ihrem TV-Kabelnetz - macht das am Montag, 8. Oktober. Das betrifft nicht die Telekom-„Entertain“-Kunden – sie erhalten ihr TV-Signal ja durch die Telefonleitung via DSL. Nach Angaben der Medienanstalten nutzen noch etwa elf Prozent der Kabel-Haushalte die analoge Empfangsform, knapp fünf Prozent gar ausschließlich. Wer Satelliten-Fernsehen (DVB-S), Antennenfernsehen (DVB-T2 HD) oder Internet-TV (IPTV) nutzt, ist nicht betroffen.

    Der Grund und was das für mich bedeutet

    Grund der Umstellung: Die Netzbetreiber brauchen mehr Platz für digitale Inhalte wie HD-TV (also bessere Bildqualität, da größerer Auflösung und so mehr Details zu sehen sind, alles schärfer erscheint) und mehr Bandbreite, also Geschwindigkeit, für die Internetanbindung. In den meisten modernen TV-Geräten (vor allem Flachbild-Modelle) steckt längst die entsprechende Technik, um diese digitalen Programme anzuzeigen, andere haben ein entsprechendes Zusatzgerät vorgeschaltet (DVB-C-Receiver).

    Am ehesten werden wohl Radiohörer die Änderung bedauern – können sie doch bisher 31 Programme per Kabel empfangen, und zwar in besserer Qualität als über UKW-Antenne und nicht nur lokal ausgestrahlte. Sie schlossen bisher schlicht das Radio per „Antennenkabel“ an die Kabelnetz-TV-Anschlussdose an. Wer künftig die digital eingespeisten Radiosender hören will, braucht dazu entweder ein entsprechendes Radio mit eingebautem DVB-C-Tuner oder ein Extragerät, das die digitalen Signale für das analog arbeitende Radiogerät oder auch eine Stereoanlage aufbereitet. Moderne Fernsehapparate oder Digital-Receiver können die digitalen Radiosender auch wiedergeben oder das erzeugte analoge Tonsignal weiterreichen etwa an eine Stereoanlage (als ob man einen CD-Player anschließen würde). Nachteil: Bedienung nur über den TV-Bildschirm.

    Die Umstellung

    Nach der Umschaltung empfiehlt sich für TV- und Radiogeräte ein Sendersuchlauf. Vodafone sagt, dass künftig bis zu 72 digitale statt 35 analoger Radiosender im Kabel sein werden. Statt 32 analoger TV-Sender sollen es bis zu 98 digitale sein (frei empfangbar bis zu 73) und bis zu 46 in HD-Qualität (19 frei). Das „Zuhause Kabel“-Angebot der Telekom bietet derzeit 76 frei empfangbare digitale TV-Programme, 24 davon in HD, dazu 71 digitale Radiosender. Die derzeit 32 analogen TV-Kanäle und 27 analogen Radioangebote fallen weg.

    Vodafone will zwischen Mitternacht und 6 Uhr umstellen – in dieser Zeit ist für Vodafone-Kunden, die über das Kabel Festnetz, Internet und TV nutzen, telefonieren, fernsehen und Internetzugang zeitweise nicht möglich.

    So geht es auch: UKW und DAB+

    Wer bislang seine UKW-Radiosender aus dem TV-Kabel gezogen hat, kann das künftig natürlich auch mit einer Zimmerantenne machen oder (falls vorhanden) per Anschluss an eine Dachantenne.

    Eine weitere Möglichkeit ist das Digitalradio aus der Luft, genannt DAB+. Dort finden sich in Niedersachsen derzeit 21 Programme, die digital ausgestrahlt werden und damit – sofern der Empfang funktioniert - Radio in guter Qualität wiedergeben. Dafür muss man sich jedoch ein entsprechendes Radiogerät zulegen. In Baden-Württemberg sind schon 35 DAB+-Programme „On Air“, in Hamburg 38 und in gar Bayern 110. Allerdings gibt es noch Lücken in Niedersachsen etwa von der Nordsee um Bremerhaven bis Stade sowie um Uelzen bis ins Wendland und (deutlich kleiner) von Nienburg über Hameln bis Uslar.

    Kein neuer Vertrag!

    Wichtig: Niemand muss wegen der Umstellung irgendwelche Zusatzkosten leisten oder irgendeine Art von neuem oder geändertem Vertrag für seinen TV-Kabelanschluss abschließen! In jedem Fall kostenfrei empfangbar sind ARD, ZDF, Arte, 3Sat, Kika und die anderen „öffentlich-rechtlichen“, darunter alle „Dritten“. Weitere Infos hierzu gibt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Internetseite.

    Nach der Umstellung sollte sich der Router von selbst wieder im Internet anmelden – tut er das nicht, rät Vodafon: Aus- und wieder einschalten.

    Vielleicht Internetradio?

    Eine weitere Möglichkeit ist: Mann nutzt das Internet als Radioquelle – hier können zigtausende „Sender“ weltweit kostenlos angezapft werden - entweder mit einem eigens dafür ausgestatteten Internetradiogerät oder über den heimischen Computer oder ein Notebook oder das Handy. Es gibt Anbieter wie radio.de (gehört wie die NP zur Madsack Mediengruppe)oder TuneIn.com oder Webseiten wie liveradio.de oder radiolisten.de, die einem das suchen und sortieren und den Umgang mit der Vielzahl erleichtern. Viele der „Radios“ sind allerdings nur „Playlisten“, also auf Abruf verfügbare Musiksammlungen ohne die klassischen radiotypische Elemente wie Moderation, Nachrichten, Textbeiträge. Viele starten mit Werbung und unterbrechen ihr „Programm“ immer wieder mit Werbung. Wer auf gute Soundqualität steht, kann auch „Stationen“ finden, die einen hohen Datenstrom bieten, was für bessere Qualität stehen soll (Der „Stream“ sollte mindestens 192 kBit/s betragen).

    Vielleicht digitales Antennenfernsehen?

    Wer will, kann auch die Empfangsart DVB-T2 HD nutzen – da kommen die digitalen Signale durch die Luft, zum Empfang reicht meist eine kleine Stabantenne am Gerät. Dazu braucht es für alle TV-Apparate, die keinen DVB-T2-Tuner eingebaut haben ein Gerät, dass die Signale in für den TV verständliche wandelt. Im Raum Hannover gibt es da 15 öffentlich-rechtliche Programme des ARD- und ZDF-Angebots und drei freie Privatsender: die Verkaufskanäle HSE24 und QVC sowie Bibel TV.

    Von Ralph Hübner


    http://www.neuepresse.de/Hanno…g-bei-Radio-und-Fernsehen

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!