Armutsfalle Trennung

  • Kinder alleinerziehender Mütter sind häufig vom sozialen Leben abgeschnitten

    Von Jan Sternberg


    Berlin. Kinder von alleinerziehenden Frauen sind fast immer von Armut bedroht, wenn ihre Mütter keinen Vollzeitjob ausüben können. über einen längeren Zeitraum ohne Vollzeitjob bleiben. Fehlt der Job, wachsen 96 Prozent der Kinder in einer dauerhaften oder wiederkehrenden Armutslage auf, hat eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Bei einer stabilen Teilzeitbeschäftigung oder einem Minijob leben 20 Prozent der Kinder dauerhaft oder wiederkehrend in Armut, weitere 40 Prozent zumindest vorübergehend. Bei Elternpaaren sind 62 Prozent der Kinder armutsgefährdet, wenn die Mutter nicht arbeitet.


    Die Stiftung kritisiert, dass diese Kinder zwar nicht obdachlos oder hungrig seien, sich aber vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten fühlten, weil sie nicht in Vereine oder zum Musikunterricht gehen könnten. Die Diakonie Niedersachsen bekräftigte Forderungen nach einer eigenen Grundsicherung für Kinder. „Es ist dringend geboten, dass wir wieder über eine Verteilungsgerechtigkeit in unserem Land reden“, sagte Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke dem Evangelischen Pressedienst.


    Die Koalition in Berlin glaubt sich da bereits auf einem guten Weg. Das Kabinett billigte einen Entwurf zum „Gesetz zur steuerlichen Entlastung der Familien sowie zur Anpassung weiterer steuerlicher Regelungen“. Ab Juni 2019 soll das Kindergeld um 10 Euro pro Kind und Monat steigen. Auch der steuerliche Kinderfreibetrag steigt 2019 und 2020 entsprechend um jeweils 192 Euro - von aktuell 7428 Euro jährlich je Kind für beide Elternteile auf zunächst 7620 und ein Jahr später auf 7812 Euro. Zugleich soll der Grundfreibetrag in zwei Schritten um 168 Euro im Jahr 2019 und 2020 um 240 Euro steigen.


    Insgesamt sollen Familien mit den für 2019 und 2020 vorgesehenen Maßnahmen rund 9,8 Milliarden Euro bekommen.


    Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nannte den Entwurf einen „wichtigen Schritt bei der Stärkung von Familien in Deutschland“. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach von einer „Besser-Verdiener-Familienpolitik“. Sie erklärte: „Statt weiterhin das Geld großzügig mit der Gießkanne zu verteilen, müssen Kinder gezielt aus der Armut geholt werden.“ Der Hintergrund: Kindergeld wird auf Hartz IV angerechnet.


    Daran ändert sich auch mit dem neuen Gesetz nichts. Doch für Geringverdiener knapp oberhalb der Hartz-IV-Grenze will Giffey etwas tun: „Arbeit muss sich lohnen“, sagte sie. „Daran werden wir in unserer Arbeit anknüpfen. Der Kinderzuschlag soll erhöht und vereinfacht werden, sodass mehr Familien und Kinder davon profitieren können.“


    Der Kinderzuschlag kommt Geringverdienern zugute, wird aber ab einer bestimmten Grenze komplett gestrichen. Das soll sich in Zukunft ändern, kündigte die Familienministerin an. Ihr Haus erarbeitet derzeit das Konzept für eine Reform. Ein Sprecher sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Diesen harten Schnitt soll es in Zukunft nicht mehr geben. Kaum verdient man etwas mehr, fällt der Kinderzuschlag komplett weg. Es geht um ein schrittweises Abschmelzen des Zuschlags, damit immer der Anreiz bleibt, einen Job aufzunehmen.“


    http://epaper.neuepresse.de/#!…011800/NP20180628/8221239

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!