Wie zuverlässig sind Gesundheits-Apps?

  • Es gibt mittlerweile Tausende Apps für Fitness und Medizin. Sie versprechen vieles: Den Puls messen, Erkältungen identifizieren oder an Pillen erinnern. Doch können sie auch den Arzt ersetzen?

    Von Irene Habich


    Sie haben so handfeste Namen wie „Herzfrequenz Plus“ oder „Blutdruckdaten“, mitunter kommen sie aber auch etwas persönlicher daher, so wie „Ada – deine Gesundheitshelferin“. Und sie haben alle eines gemeinsam: den Körper rund um die Uhr im Blick. 2016 wurde die Untersuchung „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ veröffentlicht, beauftragt hatte sie das Bundesgesundheitsministerium. Ihr Ergebnis: Experten sahen zwar theoretisch durchaus Chancen in der Anwendung der Apps. Doch bei allen, die bislang bekannt waren, fehlte bislang ein Nachweis des Nutzens.


    „Den Nutzen von Gesundheits- und Wellness-Apps sollte man nicht überbewerten“, sagt auch Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Denn der sei wissenschaftlich meist nicht belegt. Allerdings seien auch längst nicht alle Gesundheitsratgeber wissenschaftlich, die es zum Beispiel in Buchform im Handel gibt.


    Für Koch wird es vor allem dann kritisch, wenn die App-Hersteller selbst einen medizinischen Nutzen ihrer Anwendungen versprechen: „Der Nutzen muss dann auch bewiesen sein.“ Erst recht gelte das, wenn Apps vom Arzt oder der Krankenkasse empfohlen oder sogar bezahlt werden. „Dann müssten meiner Meinung nach die gleichen Anforderungen gelten wie für andere Behandlungen, die Kassenleistung sind“, sagt Koch. Das heißt, die Apps sollten erwiesenermaßen medizinisch sinnvoll sein – laut Koch ist das nicht immer so. Die offizielle Einstufung einiger Apps als „Medizinprodukt“, die es heute schon gibt, sei in dieser Hinsicht unzureichend.


    Gesundheits-Apps können noch aus einem weiteren Grund problematisch sein: Fast alle sammeln Informationen über ihre Nutzer, die für die App-Funktionen meist gar nicht benötigt werden. Und darüber, was mit ihnen geschieht, hat man fast keine Kontrolle, warnt Dieter Kugelmann, der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit von Rheinland-Pfalz. Die Datensammelwut der App-Anbieter habe fast immer den gleichen Grund: „Es geht darum, ein Profil des Nutzers herauszuarbeiten, um mit ihm Geschäfte machen zu können.“ Die simpelste Art ist, gezielte Werbung auf das Smartphone oder andere Geräte zu schicken. Doch der Missbrauch der Daten kann noch weitaus unangenehmere Züge annehmen. Etwa wenn Fitnessdaten heimlich an private Krankenversicherer weiterverkauft werden. Diese könnten dann unsportlichen Versicherten schlechtere Tarife anbieten.


    Äußerst unangenehm kann es auch werden, wenn Arbeitgeber von Apps gesammelte Daten kaufen – und so von der geplanten Schwangerschaft, einem psychischen Leiden oder einer HIV-Erkrankung ihrer Angestellten erfahren. Und selbst wenn der Datenhandel nach deutschem Recht illegal sei, nutze das den App-Nutzern wenig, wenn die Verantwortlichen in San Francisco sitzen.


    Vorerst sollten Nutzer also vorsichtig mit Gesundheits-Apps umgehen. „Man sollte etwa nicht nur auf den Preis achten – im Zweifelsfall bezahlt man günstige Apps mit seinen Daten.“ Stattdessen sollte man bei vergleichbaren Angeboten das wählen, das die wenigsten Zugriffsberechtigungen einfordert. „Außerdem sollte erkennbar sein, zu welchem Zweck meine Daten gesammelt werden und was mit ihnen passiert.“ Doch das ist leicht gesagt: Im Frühjahr 2017 hatte ein Team der Verbraucherzentrale NRW Fitness-Apps und -Armbänder und Smartwatches untersucht. Dabei kam heraus, dass es für Nutzer nahezu unmöglich ist, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Drei Viertel der Apps sendeten Nutzerdaten weiter an „Drittanbieter“, wie zum Beispiel Werbetreibende.


    Nicht zuletzt sollte man sich fragen, ob eine App wirklich hilft und die Preisgabe persönlicher Daten es wert ist oder ob es sich nur um eine Spielerei handelt. „Die Verantwortung liegt da immer auch bei mir selbst“, sagt Kugelmann.


    Es geht darum ein Profil des Nutzers herauszuarbeiten, um mit ihm Geschäfte machen zu können.

    Dieter Kugelmann, Datenschutzbeauftragter


    http://epaper.neuepresse.de/#!…011800/NP20180519/8106833

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!

  • Ich benutzte eine Schlafapp. Die zeichnet auf, wenn ich schnarche und wie tief ich schlafe. Am nächsten Tag kann ich mir mein schnarchen anhören und sehen, wann ich wie tief geschlafen habe.

  • Ich verwende eine App, die mich daran erinnert regelmäßig zu trinken. Da das Trinken von Wasser sehr wichtig ist, finde ich die App auch sehr hilfreich. Im Alltag vergisst man ja leider des Öfteren viel zu trinken. Ich verlasse mich allerdings auch nicht auf Apps, sondern nutze sie lediglich zur Unterstützung.

  • Echt, es gibt eine Schlafapp. :eek: Wie kann die feststellen, wie tief du geschlafen hast? Braucht man dazu nicht Kontakt zum Körper?


    Ich nutze eine MedikamentenerinnerungsApp. Da muss ich dann bestätigen, dass ich meine Medikamente genommen habe. Das vergesse ich sonst manchmal.

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!

  • Ich habe ein Bericht darüber gelesen. Anhand von Geräuschen, die man im Schlaf macht, erkennt die App, wie tief man Schläft. 100% funktioniert das nicht, aber schon ganz gut.

    Das Smartphone muss dabei auf dem Nachttisch liegen, mit dem Mikrofon zum Gesicht.


    Den Wecker, der in der App integriert ist, finde ich auch sehr gut. Wenn ich den Wecker um z.B. 6 Uhr stelle, klingelt dieser nicht um Punkt 6, sondern beobachtet ca. 30 Minuten vorher, ob mein Schlaf unruhig ist und klingelt dann. So fällt mir das aufstehen leichter, als wenn ich im Tiefschlaf bin und es klingelt.