Beiträge von hekse

    Der Film lief vor ein paar Tagen im Fernsehen. Dort wurden ein paar mehr Handlungsstränge aufgezeigt. Und es gab im Gegensatz zum Theaterstück ein anderes Ende. Ist vielleicht das Ende aus dem Buch. Keine Ahnung - habe ich nicht gelesen. Mir hat das Theaterstück besser gefallen. Die Atmosphäre wirkte da viel dichter. Und weil das Stück so gut angenommen wurde, gibt es eine Verlängerung über die nächsten Monate hinaus. http://www.tribuene-hannover.de/

    Seit etwa einer Woche bekomme ich beim Aufrufen vom Forum die Meldung, dass Firefox diese Seite blockiert hat. Jedesmal teile ich mit, dass Hannoverforum keine betrügerische Seite ist. Nun meine Frage: Liegt es an meiner Software oder an den Seiten vom Hannoverforum? Vielleicht fehlt irgendein Zertifikat? Meine Software ist aktuell. Es ist einfach nur lästig, nicht gleich auf die Seiten vom Forum zu kommen.

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    Die Rechtsprechung ist eindeutig: 1,5 Meter seitlichen Abstand sollten Autos beim Überholen von Radfahrern einhalten. Darauf machte jetzt der ADFC mit einem Fahrradkorso am Engelbosteler Damm aufmerksam. Sie hatten sich Poolnudeln auf den Gepäckträger geschnallt, um die nötige Distanz zu verdeutlichen. Ein überraschend breiter Abstand ...


    [Blockierte Grafik: http://www.neuepresse.de/var/s…nd_big_teaser_article.jpg]

    „Halte Abstand zum Rad“: Mit bunten Poolnudeln verdeutlichte der ADFC Autofahrer den richtigen Abstand. Quelle: Tim Schaarschmidt


    Hannover. Gemütlich schiebt sich die Schlange aus elf Fahrradfahrern den Engelbosteler Damm entlang. 20 Stundenkilometer. Höchstens. Hinter den Radlern staut sich der Autoverkehr. Überholen will keiner. Der Grund: Die knallbunten Poolnudeln, die sich die Radfahrer seitlich auf den Gepäckträger geschnallt haben. Gerade mal 1,5 Meter sind sie breit, doch sie versperren die Spur. Die Aktion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) erregt Aufsehen, morgens um 11 Uhr auf dem Engelbosteler Damm. Und sie macht neugierig.


    „1,50 Meter, das ist der seitliche Abstand, den andere Verkehrsteilnehmer beim Überholen zum Radfahrer, aber auch zu parkenden Autos halten sollten“, erklärt Eberhard Röhrig-van der Meer, Sprecher des ADFC. Die genaue Breite leitet sich zwar nicht aus der Straßenverkehrsordnung ab – dort ist lediglich von einem „ausreichenden Abstand“ die Rede. „Allerdings haben mehrere Gerichtsurteile bestätigt, dass Autos mindestens 1,5 Meter Platz lassen müssen, wenn sie überholen“, erklärt er. „Sind Kinder dabei, müssen sogar 2 Meter eingehalten werden.“


    Um diesen Abstand einmal anschaulich zu machen, haben sich die elf ADFC-Mitglieder am Dienstag zu der Aktion am E-Damm verabredet, die Poolnudeln auf den Gepäckträger geschnallt und Westen mit einer Grafik „Abstand halten“ angezogen. Die Reaktion der Autofahrer auf die Testfahrten den Damm hoch und runter sind fast immer gleich: respektvoller Abstand und Geduld. Lediglich ein Moia-Shuttle und ein weiterer Autofahrer trauen sich zu überholen, als auf der Gegenspur ausnahmsweise gähnende Leere herrscht. „Allerdings musste sich ein Autofahrer zwischen unserer Gruppe und einer anderen Radfahrerin kurz einordnen, um den Gegenverkehr nicht zu behindern“, hat Röhrig-van der Meer beobachtet. „Als er die Frau dann überholte, hat er schon wieder zu wenig Abstand eingehalten.“


    Das sei leider der Normalfall auf vielen Straßen in Hannover, die sich Radfahrer mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen müssten, so die ADFC-Mitglieder. Ein besonderes Negativ-Beispiel sei die Königsstraße mit ihrem „Schutzstreifen“ – der weiß gestrichelten Linie, die Radfahrern eine Spur frei hält und die Autofahrer im „Ausnahmefall“ aber überfahren dürfen. „Diese Spur ist so schmal, dass der Radfahrer zum einen selbst gar keine 1,5 Meter zu parkenden Autos entfernt ist.“ Eine große Gefahr, wenn jemand plötzlich die Autotür öffnet. „Aber auch dem fahrenden Autofahrer signalisiert er: Ich darf bis an die gestrichelte Linie heranfahren – obwohl ich bis zum Radfahrer dann keine 1,5 Meter Platz lasse “, erklärt der ADFC-Sprecher.


    Der durch Gerichtsurteile vorgegebene Abstand sei in der Praxis erstaunlich breit – das konnten nicht nur die Autofahrer am E-Damm beobachten. „Mich hat die Breite selbst überrascht“, sagt ADFC-Sprecherin Annette Teuber. Dem Radfahrer-Club gehe es deshalb gar nicht um den erhobenen Zeigefinger: „Die Aktion ist gedacht als Einladung an alle Verkehrsteilnehmer zu einem fairen Miteinander.“

    Von Simon Polreich


    http://www.neuepresse.de/Hanno…htigen-Sicherheitsabstand

    Repair-Cafes in Hannover und Umgebung


    Repair Café Ahlem

    Martin-Luther Gemeindehaus in Ahlem

    Wunstorfer Landstraße 50b

    30453 Hannpoer


    Jeden letzten Donnerstag im Monat von 15 Uhr bis 17:30 Uhr

    Die konkreten Termine findest Du auf der Website dieses Repair Cafés:

    Repair Café Hannover-Ahlem


    Repair Café Hemmingen

    Rathaus Hemmingen

    Rathausplatz 1

    30966 Hannover


    Die konkreten Termine findest Du auf der Website dieses Repair Cafés:

    Repair Café in Hemmingen von Heuhüpfer e.V.


    Repair Cafe Hannover-Linden

    Ernst-Korte-Haus

    Posthornstraße 27

    30449 Hannover


    Jeden 3. Samstag im Monat von 13:00 bis 17:00 Uhr.

    Die konkreten Termine findest Du auf der Website dieses Repair Cafés:

    Repair Café der AWO Hannover


    Repair Café Hannover -Nordstadt

    Stadt-Teil-Werkstatt, im Knick der Kniestraße

    Kniestrasse 10

    30167 Hannover



    Jeden 2. Samstag im Monat von 14:00 – 17:30 Uhr.

    Die konkreten Termine findest Du auf der Website dieses Repair Cafés:

    Repair Café Hannover-Nordstadt


    Repair Café Hannover-Nordstadt 2

    Hafven

    Kopernikusstr. 14

    30167 Hannover


    Jeden 1. Samstag im Monat um 14 Uhr.

    Die konkreten Termine findest Du auf der Website dieses Repair Cafés:

    Repair Café Hannover-Nordstadt von Hafven


    Neueröffnung am 3. November in Kleefeld:

    REPARATUR - CAFÉ Kleefeld

    HÖLDERLIN EINS

    Hölderlinstraße 1

    30625 Hannover

    Tel. 0511 / 533 27 606

    info@hölderlin-eins.de


    Ab November im Hölderlin Eins

    jeden ersten Samstag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr.


    Eine eine lockere Zusammenkunft von Nachbarn mit reparaturbedürftigen Dingen, Neugierigen und freiwilligen Helfern statt. Die Aktivitäten werden kostenlos und auf ehrenamtlicher Basis von den Reparaturexperten vor Ort ausgeführt.


    Wegwerfen? Denkste! Ziel ist es neben dem Vermeiden von Müll, Erhalt von Werten und Verbreiten von Wissen auch Kontakte und den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft zu fördern. Ebenfalls bieten wir Beratung zu Neuanschaffungen oder für die weitere Verwendung von Geräten die veraltet zu sein scheinen wie z. B. so manches Notebook oder Smartphone.


    https://repaircafe.org/de/

    Hier ein kurzer Bericht, wie mir das Stück gefallen hat:



    Ich habe das Buch nicht gelesen, daher wusste ich nicht, was mich erwartet.


    Weltweit verschwinden pro Jahr etwa 23 Personen von Kreuzfahrtschiffen, ohne je wieder aufzutauchen. Sebastian Fitzek benutzt dafür in seinem Roman das fiktive Codewort “Passagier 23”.

    Die Reedereien stellen solche Fälle generell als Selbstmord hin. Aus Kostengründen. Bei allen anderen Ursachen wäre das Schiff gezwungen, einen Hafen anzufahren, damit das Verschwinden untersucht werden kann. Solche Untersuchungen sind langwierige. Es müssen in solchem Fall Entschädigungen an die Mitreisenden gezahlt werden. Die nachfolgenden Fahrten verschieben sich, usw. Das kommt viel zu teuer.


    Obwohl die Frau und der 10-jährige Sohn des Undercover-Ermittlers und Polizeipsychologen Martin Schwartz vor 5 Jahren auf dem Kreuzfahrtschiff “Sultan of the Seas” verschwunden sind, glaubt Schwarz nicht an den Mitnahme-Selbstmord seiner Frau.


    Als er erfährt, dass zum ersten Mal ein “Passagier 23” wieder an Bord aufgetaucht ist, will er den Fall genauer untersuchen. Denn die kleine Anouk Lamar hält bei ihrem Auffinden den Teddy seines verschwundenen Sohnes im Arm.


    Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen, doch er folgt dem Hinweis und wird dabei immer mehr in unheilvolle Ereignisse auf dem Schiff hineingezogen.


    Auf der Bühne wird eine sehr atmosphärische Darstellung von den Unterdecks eines Kreuzfahrtschiffes gezeigt. Man sieht keine luxuriösen Kabinen, keine Bars, keine Swimmingpools, keine Speisesäle oder mit Teppichen ausgelegten Gängen, keine entspannten oder fröhlichen Gäste.

    Das Bühnenbild besteht aus eintönigen, grauen, rostigen Bordwänden und nacktem Fußboden. Im Hintergrund wechselt das Bild. Mal wird ein Bullauge gezeigt, von dem der Blick direkt auf die aufgewühlte See fällt, mal düsterere Gänge.


    Die Geräuschkulisse wirkt sehr echt. Es hallt in den Gängen und Räumen. Man hört, wie die Wellen an den Schiffsrumpf schlagen.


    Die ganzen Szenen finden im Unterdeck oder in Kabinen statt, das gesamte Ambiente ist recht düster.Man sieht verborgene Räume, zu denen normalerweise Passagiere keinen Zugang haben, in denen sich schreckliche Dinge passieren bzw. passiert sind.


    Das ganze Stück ist genial gemacht! Ich liebe es, wenn mit wenigen Mitteln so viele verschiedene Szenen aufgebaut werden. Gut beschriebene Atmosphäre, menschliche Abgründe tun sich auf.


    Das Ende ist sehr überraschend.


    Ich kann nur jedem empfehlen, sich diesen Krimi anzuschauen. Alle Rollen sind doppelt besetzt, jeden Abend spielt ein anderes Ensemble.

    Bitte nicht essen -- das sollte eigentlich auf Obst und Gemüse stehen, das mit dem Pestizid Chlorpyrifos behandelt wurde. Schon kleinste Mengen können zu schweren gesundheitlichen Schäden führen -- vor allem bei Kindern.


    Studien belegen die große Gefahr durch Chlorpyrifos -- trotzdem wird das Pestizid in ganz Europa eingesetzt. Es ist eines der am häufigsten auf Obst und Gemüse nachgewiesenen Pestizide, Rückstände finden sich inzwischen sogar in unserem Trinkwasser.


    Die Regierungen der EU entscheiden bald, ob sie die Lizenz für diese gefährliche Chemikalie verlängern -- und noch haben wir die Chance, das zu verhindern. Gemeinsam mit unseren Partner/innen von Health and Environment Alliance (HEAL), Générations Futures und den europäischen und deutschen Teams des Pesticides Action Network (PAN) starten wir eine Notfall-Kampagne. Helfen Sie uns, das schreckliche Pestizid Chlorpyrifos zu verbieten?


    Die aktuelle Zulassung von Chlorpyrifos in der EU läuft im Januar 2019 aus. Derzeit prüfen die europäischen Behörden ein Dossier über die Verbreitung und Wirkung des Pestizids -- doch dieses Dossier wurde von der Industrie verfasst, wichtige Studien zu Hirnschäden sind darin nicht enthalten.


    Wir kämpfen gegen einige der mächtigsten Konzerne und deren Lobbyist/innen. Dow Agrochemicals, hauptverantwortlich für den Antrag auf Verlängerung, hat Berichten zufolge allein im Jahr 2017 mehr als 3 Millionen Euro für Lobbyarbeit in Brüssel ausgegeben. In den USA hatte Dow mit dieser Masche Erfolg -- erst ein Gericht stoppte dort die Aufhebung des Chlorpyrifos-Verbots. Lassen wir es in Europa gar nicht erst soweit kommen!


    Gemeinsam haben wir uns schon in der Vergangenheit erfolgreich in den Weg der Pestizid-Industrie gestellt: In Frankreich hat die Unterstützung von SumOfUs-Mitgliedern wie Ihnen dazu beigetragen, dass unsere Partner Générations Futures den Kampf gegen Dows Bienenkiller Sulfoxaflor gewinnen konnten. Bitte helfen Sie mit, lassen Sie uns Dow auch dieses Mal in die Schranken weisen!

    Fordern Sie die EU auf, wissenschaftliche Belege ernst zu nehmen und die giftige Chemikalie in Europa zu verbieten.

    Mehr Informationen

    What’s on your citrus fruit? Trump’s EPA fights to keep controversial insecticide in use

    PBS. 10. Oktober 2018.
    Gefahr von Hirnschäden – NGOs fordern Verbot von Chlorpyrifos

    PAN. 9. August 2018.

    Montag, der 08.10.18

    Für Pflegebedürftige, die in einem Pflegeheim wohnen, dort aber nicht zufrieden sind, gibt es gute Nachrichten: Wie der Bundesgerichtshof (BGH) kürzlich entschieden hat, darf ihr Pflegeheimwechsel auch vor dem Ende der Kündigungsfrist erfolgen – ohne doppelte Beiträge.


    Leichterer Pflegeheimwechsel in der Kündigungsfrist

    • Pflegebedürftige können ihr Pflegeheim nach einer Kündigung jetzt ohne Mehrkosten vor dem Ende der Frist wechseln, urteilte der Bundesgerichtshof.
       
    • Für den bisherigen Pflegeheimplatz müssen Bewohner nur bis zum Tag ihres Auszugs bezahlen, erklärten die Richter.
       
    • Da die Heimkosten Betroffene finanziell stark belasten, ist es wichtig, sich nicht nur auf die gesetzlichen Leistungen zu verlassen, sondern sich zusätzlich abzusichern.

    Bei einem Pflegeheimwechsel nach einer Kündigung müssen Bewohner in der Regel bestimmte Fristen beachten. Ziehen Pflegebedürftige bereits vor dem Ablauf dieser Frist in die neue Einrichtung um, zahlen sie für den alten Heimplatz teilweise trotzdem bis zum Ende der Frist. Für viele Menschen bedeutet dies eine enorme Belastung, da auch für das neue Pflegeheim bereits Kosten anfallen.

    Aus diesem Grund klagte ein betroffener pflegebedürftiger Mann vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Er hatte sein Heim am 14. Februar 2015 nach der Hälfte der einmonatigen Kündigungsfrist gewechselt und sollte dennoch den vollen Monatsbeitrag für den bisherigen Heimplatz tragen. Dagegen wehrte er sich und forderte vom Heimbetreiber das zu viel gezahlte Geld zurück – mit Erfolg.


    Pflegeheimwechsel: Kosten müssen auf den Tag genau berechnet werden


    Der Bundesgerichtshof gab dem Kläger Recht und wies die Revision des Pflegeheimbetreibers zurück (Az. III ZR 292/17). Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass das Sozialgesetzbuch zwischen den Pflegekassen und Pflegeheimen eine taggenaue Abrechnung regele und die Zahlungspflicht am Tag der Entlassung oder dem Tod des Bewohners ende.

    Laut dem BGH gelte diese Regelung auch für den Vertrag zwischen Pflegeeinrichtungen und Pflegebedürftigen, die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten. Heimbewohner müssen demnach nur solange für ihren Platz in einer Einrichtung zahlen, wie sie sie dort auch wohnen. Den Karlsruher Richtern zufolge zähle zum sogenannten „Entlassen“ im Sinne des § 87a SGB XI auch ein Pflegeheimwechsel bevor die Kündigung endgültig greift.


    https://www.finanzen.de/news/1…65owP4ZGZa&sc_llid=153893

    BGH: Keine doppelten Kosten für möglichen Leerstand bei Pflegeheimwechsel


    Für den betroffenen Kläger bedeutet das Urteil, dass seine Zahlungspflicht für den alten Heimplatz mit dem Tag seines Auszugs Mitte Februar endete. Somit darf er vom Pflegeheim sein Geld für die zweite Monatshälfte zurückfordern. Denn anders als bei einer kurzzeitigen Abwesenheit, etwa bei einem Krankenhausaufenthalt, sei dem Betreiber durch die Kündigung deutlich gemacht worden, dass er den Heimplatz nicht freihalten muss, weil der Bewohner die Einrichtung endgültig verlassen wird, so der BGH.

    Die Richter führten zudem an, dass ein eventueller Leerstand von den Heimträgern in der Praxis ohnehin „im Rahmen der Auslastungskalkulation sowie durch gesonderte Wagnis- und Risikozuschläge in die Pflegesätze eingerechnet und anschließend anteilig auf die Heimbewohner umgelegt″ werde. Daher habe der Gesetzgeber „den Zahlungsanspruch des Einrichtungsträgers bei Versterben oder bei einem Auszug des Heimbewohners auf den Tag der Beendigung der tatsächlichen Leistungserbringung“ begrenzt. Dies soll Heimbewohner nach einem Auszug sowie ihre Erben nach dem Tod vor einer doppelten Zahlung für mögliche Leerstände schützen.

    Aktualisiert am 23. Oktober 2018, 09:50 Uhr


    Sie nehmen Sinnesreize und Emotionen deutlich stärker wahr als andere. Das macht den Alltag von hochsensiblen Menschen oft besonders anstrengend. Sie glauben, etwas stimme nicht mit ihnen. Dabei ist Studien zufolge jeder Fünfte von dem Phänomen Hochsensibilität betroffen. Doch was steckt dahinter? Und warum spüren manche Menschen wirklich mehr als andere?


    "Jetzt stell dich doch nicht so an" oder "Sei doch nicht immer so empfindlich" – das sind Sätze, die manche Menschen öfter zu hören bekommen als andere. Sie wirken sensibler und dünnhäutiger als andere.


    So auch die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron: 1987 empfahl ihr ein Arzt sogar, sich wegen ihrer "Überreaktionen" in psychologische Behandlung zu begeben.

    Die konsultierte Therapeutin konnte jedoch keine krankhaften Auffälligkeiten bei Aron feststellen. Sie diagnostizierte: Die Patientin sei schlicht "hochsensibel" – und legte damit den Grundstein für Arons weitere Forschungen zum Thema Sensibilität, wie die Psychologin selbst im Interview mit der "Welt" berichtete.


    20 Jahre, zahlreiche wissenschaftliche Studien, Untersuchungen und Buchveröffentlichungen später, gilt Elaine Aron als Wegbereiterin im Bereich der Hochsensibilität. Sie und andere Mediziner und Wissenschaftler auf diesem Gebiet sind sich mittlerweile einig: Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind von dem Phänomen betroffen.


    Hochsensible Personen reagieren empfindlicher auf Gerüche und Geräusche, aber auch auf optische Eindrücke und klimatische Veränderungen wie Hitze oder Kälte. Sie haben eine geringere Stressresistenz oder Belastbarkeit. Auch innere Zustände wie Hunger und Schmerz spüren sie stärker.


    Bestimmte Bereiche im Gehirn sind aktiver

    "Die Gehirne von hochsensiblen Menschen filtern weniger Außenreize", erklärt Diplom-Psychologe Michael Thiel das Phänomen im Gespräch mit unserer Redaktion, "dadurch nehmen sie fast alles wahr."


    Ihre Gehirne sind permanent reizüberflutet, weil alle Sinneskanäle immer geöffnet sind. Dabei können wichtige von unwichtigen Reizen schlechter unterschieden werden.


    Ein typisches Beispiel dafür wäre der Einkauf im Supermarkt. Hochsensible Menschen nehmen nicht nur die Personen und die Vielzahl der verfügbaren Produkte um sie herum wahr, sondern auch die musikalische Untermalung durch das Radio, die Werbeunterbrechung, das Kindergeschrei.


    Dazu kommen der Geruch der Fleischtheke, Farben und Lichter, die Gespräche der Menschen im nahen Umfeld und die viel zu engen Gänge, wo man sich dem Einkaufswagen durchdrängeln muss – und das alles auf einmal.


    Konkret bedeutet das: Bei Hochsensiblen sind es mehr Reize, die die Sinne erreichen – und somit mehr Informationen, die letztendlich vom Gehirn verarbeitet werden müssen.


    Claudia Schrader, Trainerin an der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement AFNB, erklärt uns das so: "Wenn Reize ausgelöst werden, reagieren bestimmte Bereiche vom Gehirn einer hochsensiblen Person aktiver als bei einer normalen."


    Diese Hirnaktivitäten konnten mittlerweile in mehreren Studien mithilfe von Kernspintomografien nachgewiesen werden – unter anderem zuerst von Elaine Aron selbst und zuletzt 2016 in Forschungen an der psychologischen Fakultät der Vrije Universität in Brüssel.


    Nicht verrückt, nur hochsensibel

    Doch auch, wenn mittlerweile mehr zu dem Phänomen geforscht wird: Viele hochsensible Personen wissen nicht um ihre Hochsensibilität. "Oftmals haben Betroffene das Gefühl, sie wären 'nicht richtig' oder mit ihnen stimmt etwas nicht", sagt Thiel.

    Allerdings ist Hochsensibilität keine Krankheit, sondern ein teils vererbtes Persönlichkeitsmerkmal. "Oftmals findet man es im direkten Familienkreis einer hochsensiblen Person wieder – also zum Beispiel bei Vater oder Mutter", weiß Michael Thiel.

    Er bestätigt damit, was Elaine Aron bereits 1996 herausfand: In verschiedenen Tests reagierten 15 Prozent der Babys bereits direkt nach der Geburt intensiver und mit mehr Anzeichen von Unbehagen auf Außenreize (PDF).


    Gleichzeitig konnte bei ihnen eine signifikante familiäre Häufung der Hochsensibilität erkannt werden.


    2011 gingen chinesische Forscher den möglichen genetischen Ursachen durch die Analyse von Erbgut noch genauer auf den Grund. Dabei konnten sie nachweisen, dass bestimmte Gene mit der Überempfindlichkeit in Verbindung stehen.


    Feine Wahrnehmung für Mitmenschen

    Trotz allem hat die Hochsensibilität auch positive Seiten. Betroffene haben meist eine besonders hohe Auffassungsgabe und arbeiten sehr intuitiv und konzentriert – wenn sie nicht überreizt sind.


    Logisches Denken fällt ihnen besonders leicht, viele sind sehr kreativ. Oft verfügen sie auch über eine gute Vorstellungskraft und einen starken Gerechtigkeitssinn.


    "Viele Hochsensible sind besonders empfindlich gegenüber zwischenmenschlichen Signalen", so Thiel. Sie können sich außergewöhnlich gut in andere Menschen hineinversetzen, da ihr Einfühlungsvermögen besonders ausgeprägt ist. Sie sind empfänglich für die Gefühle anderer, das macht sie zu guten Zuhörern.


    Abgrenzung fällt vielen schwer

    Sind diese Gefühle allerdings negativ, kann das für den Hochsensiblen selbst zur Belastung werden. "Wenn man feine Antennen hat, ungefiltert die Gefühle der anderen aufnimmt und das nicht abschalten kann, ist man ständig in Alarmbereitschaft", sagt der Psychologe.


    Für Hochsensible sei es deshalb besonders wichtig zu lernen, sich von seinem Umfeld abgrenzen zu können. "Das fällt vielen nämlich oft sehr schwer", meint Thiel. Sie würden die eigenen Bedürfnisse häufig denen anderer unterordnen.


    Grundsätzlich sollten Betroffene lernen, ihrem Bedürfnis nach Rückzug Raum zu geben. Denn: Vor allem dauerhafter Stress führt bei Hochsensiblen leicht zu chronischer Überbeanspruchung und dadurch zu Symptomen wie Migräne oder Verdauungsbeschwerden.


    Auf Dauer kann es zu Herz-Kreislauf-Problemen, Magengeschwüren, Depressionen sowie Angst-, Ess- oder Schlafstörungen kommen.


    Wenn alles zu viel wird

    Um diesen vorzubeugen, bieten sich Strategien zur Stressbewältigung an. "Für das hocherregbare Nervensystem von Hochsensiblen ist es extrem wichtig, zwischendurch abschalten zu können", so Claudia Schrader.

    Dazu empfiehlt sie Achtsamkeitsübungen. Aber auch Yoga, Meditation oder eine Betätigung, die einen auf sich selbst fokussieren lässt, wie etwa ein Spaziergang in der Natur, helfen.


    Wenn das Gefühl der Überforderung und Erschöpfung allerdings zu stark wird, raten die Experten dazu, sich professionelle Unterstützung zu holen. Dabei würden Betroffene lernen, mit den Besonderheiten, die sie auszeichnet, besser umzugehen.


    Für Betroffene und Interessierte hat Elaine Aron außerdem einen psychologischen Fragebogen zum Selbsttest entwickelt, der auf ihrer Website abrufbar ist. Weitere Infos finden Sie unter hsperson.com.


    Diplom-Psychologe Michael Thiel berät seit über 25 Jahren in seiner Praxis. Zusätzlich begleitet er Persönlichkeiten aus der Medienwelt, coacht Mitarbeiter und Manager verschiedenster Firmen und ist als Moderator und psychologischer Experte für Presse, Funk und Fernsehen tätig.


    Claudia Schrader ist Trainerin an der Akademie für neurowissenschaftliches Bildungsmanagement AVNB, zertifizierter Business Coach, im Expertenverbund des Kompetenzzentrums für Hochsensibilität Aurum Cordis tätig – und selbst hochsensibel.



    https://web.de/magazine/gesund…lance-akt-alltag-33152068

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    12. Oktober 2018 Meinhard Creydt


    Der AfD-Politiker spricht Klartext über das von ihm angestrebte undemokratische Regime. Eine Auseinandersetzung mit seiner Denkweise


    Björn Höcke gehört zu den führenden Politikern der AfD. Er fiel mehrfach mit selbst für die AfD extremen Äußerungen auf. Die Relativierung dieser Vorstöße ("ich habe doch n u r ... ") gehört wie auf der anderen Seite die Etikettierung "Nazi" zu den Ritualen einer Auseinandersetzung, bei der die Begründung der Behauptungen nicht den Platz erhält, den sie haben sollte.


    Dazu kommt, dass Trennlinien zwischen Behauptungen, Unterstellungen und tatsächlichen politischen Ansichten verschwimmen. Sei es, weil Vertreter der Neuen Rechten sich auf mehrdeutige Provokationen gut verstehen, sei es, weil manche ihrer politischen Gegner zu schablonenhaft vorgehen.


    Höcke selbst gibt nun mit der Veröffentlichung eines knapp 300 Seiten langen Protokolls eines Gespräches, das Sebastian Hennig mit ihm geführt hat ("Nie zweimal in denselben Fluss", Berlin 2018), die Gelegenheit, dass seinen Ansichten genau "auf den Zahn gefühlt" wird. Das soll im Folgenden geschehen.


    Er trägt nicht nur seine politischen Auffassungen vor. Seine Ausführungen wollen nicht nur argumentieren und Stimmung machen. Sie verkörpern eine bestimmte Lebensart und subjektive Gestimmtheit. Von deren Durchsetzung in der ganzen deutschen Bevölkerung erwartet sich der AfD-Politiker Großes. Das Gesprächsprotokoll präsentiert die von Höcke gewollte politische und psychische Transformation in schonungsloser Offenheit.


    Die Ablehnung des Grundgesetzes

    Höcke hält faktisch wenig von Grund- und Menschenrechten sowie von Gewaltenteilung und Parlamentarismus. Für ihn sind "die westlichen Werte" "aufgeblasener Werteschaum".1 "Der Parteiengeist muss überwunden, die innere Einheit hergestellt werden", sagt er. Schluss mit dem "westlich-dekadenten Liberalismus und der ausufernden Parteienherrschaft"! An deren Stelle soll "eine fordernde und fördernde politische Elite, die unsere Volksgeister wieder weckt", treten.


    Mit Machiavelli bezweifelt er, dass "ein Volk überhaupt in der Lage ist, sich selbst aus dem Sumpf wieder herauszuziehen". "Es braucht eine starke Persönlichkeit und eine feste Hand an langer Leine, um die zentrifugalen Kräfte zu bändigen und zu einer politischen Stoßkraft zu bündeln."


    Bei dieser Aussage handelt es sich um eine Kompromissbildung zwischen Höckes Votum für "die feste Hand" und dem Versuch, das Plädoyer für die autoritäre Lösung nicht als ganz so hart erscheinen zu lassen, wie es faktisch ist. Herauskommen tut die unfreiwillig komische Formulierung von der "festen Hand an langer Leine".


    Der Ausschluss der Opposition aus dem "Volk"

    Höcke macht deutlich: Der von ihm angestrebte Ausschluss von Teilen der Bevölkerung aus dem "Volk" betrifft nicht allein die Migranten. Höcke belässt es nicht dabei, in offen rechtsradikalem Ton für den Kampf gegen den vermeintlich "bevorstehenden Volkstod durch den Bevölkerungsaustausch" zu agitieren. Er plädiert auch in Bezug auf die Menschen mit reindeutscher Abstammung für einschneidende Maßnahmen.


    Höckes Gesprächspartner meint - von Höcke unwidersprochen - diesbezüglich: "’Brandige Glieder können nicht mit Lavendelwasser kuriert werden’, wusste schon Hegel". Höcke stellt zur von ihm angestrebten Umwälzung fest, dass "wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind" mitzumachen.


    Höcke denkt an einen "Aderlass" und deutet an, dass diejenigen Deutschen, die seinen politischen Projekten nicht zustimmen, aus Höckes Deutschland ausgeschlossen werden. Auf welche Art und Weise dies geschehen soll, bleibt der Phantasie überlassen. Wahlweise treten die Optionen Migration, Entrechtung, Kriminalisierung oder Liquidierung vors innere Auge.


    Die deutsche Unbedingtheit wird der Garant dafür sein, dass wir die Sache gründlich und grundsätzlich anpacken werden. Wenn einmal die Wendezeit gekommen ist, dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.

    Björn Höcke


    Die Ausblendung von Realität und das Lob eines faschistischen Regimes

    Angesichts dieser Ansagen stellt der mit Höcke sympathisierende Gesprächspartner Hennig eine von ihm ganz und gar nicht kritisch gemeinte Frage. Ob Höcke denn "eine Lanze für den (italienischen - Verf.) Faschismus brechen" wolle? Höcke antwortet: "Wir haben Preußen als positives Leitbild". Hennig hakt nach: "Man kann den Faschismus ja auch als den Versuch einer 'Preußifizierung' Italiens verstehen."


    Der Geschichtslehrer Höcke findet das einen "interessanten Gedanken" und fügt hinzu: "Das 'unbequeme Leben', das Mussolini seinen Landsleuten abforderte, erinnert zumindest ein bisschen an die kratzige, aber wärmende preußische Jacke, von der Bismarck sprach". Höcke weiß vom italienischen Faschismus nur Gutes zu berichten ("gute Straßen und pünktliche Züge").

    Auffallend ist, dass Höcke aber beredt schweigt

    • zur Einparteiendiktatur, zum Verbot anderer Parteien und der Gewerkschaften,
    • zur Verfolgung aller, die oppositionelle Aktivitäten oder abweichende Meinungen zeigen,
    • zu den italienischen Eroberungskriegen in Afrika,
    • zur Entrechtung der Juden und ihrer Deportation in deutsche KZs.

    Es ist schon ein Zynismus sondergleichen, angesichts der Opfer des italienischen Faschismus vom "unbequemen Leben" (Mussolini) zu sprechen und von einer "ein bisschen kratzigen, aber wärmenden preußischen Jacke" (Höcke). Die italienischen Faschisten übten bereits vor ihrer Machtausübung Terror aus gegen die Selbstorganisation von Landarbeitern, gegen Genossenschaften, gegen Gewerkschaften und gegen linke Parteien.

    Selbst der von Rechten verehrte Ernst Nolte arbeitet heraus, dass die Gewalt der Faschisten von weit größerem Ausmaß und "von ganz anderer Natur war" als die Gewalt von links in Italien.2 In der faschistischen Gewalt "lebt etwas vom urtümlich Bösem, von zynischer Menschenverachtung und diabolischer Freude an der Erniedrigung der anderen Menschen, von lichtloser Liebe zur Gewalt um ihrer selbst willen".3 "Schon früh sprach Mussolini vom faschistischen Leoparden, der mit dem trägen Vieh der sozialistischen Massen nach Belieben verfahre".4


    Die neue Elite

    Höcke tritt ein für die Reinigung und Führung Deutschlands durch eine Elite. Mit starkem Besen sollen die "feste Hand" und der "Zuchtmeister" den Saustall ausmisten. Das ist Höckes politisches Projekt. Dessen einzelne inhaltliche Ziele bleiben mit einer Ausnahme im Dunkeln.


    Zur Besessenheit, mit der das Migrationsthema ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit gerückt und nicht zu anderen Themen ins Verhältnis gesetzt wird (Klimawandel, schlechte Personalausstattung von Schulen und Krankenhäusern, Mangel an bezahlbaren Wohnungen), passt der Verlust an Augenmaß.


    Zum Beispiel beklagt der AfD-Politiker die Verwendung von "150 Millionen Euro Steuergeld" in "Bundestags- und Landesprogramme‚ für Demokratie, die in ihrer Hauptstoßrichtung 'gegen Rechte' gerichtet sind". Urteilskraft erfordert unter anderem: Einen Sachverhalt in seinem realen Stellenwert im Verhältnis zu anderen Sachverhalten angemessen gewichten zu können. Höckes Urteil über die Ausgabe von 150(!) Millionen(!) Euro in der Bundesrepublik Deutschland 2017: "Da bleibt am Ende, wie wir alle leidvoll spüren können, kaum noch Energie, um die eigentlichen Probleme anzupacken."


    Höckes ökologisches Patentrezept

    Das Thema des Klimawandels und der Schädigung der für menschliches Leben relevanten ökologischen Bedingungen kommt bei Höcke kaum vor. Im Gespräch heißt es: "Allein die größten fünfzehn von ihnen (Containerschiffe, Anm. d. Verf.) stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide aus als alle 760 Millionen Autos weltweit!" Die Botschaft ist klar: Legt fünfzehn Schiffe an die Kette und das Umweltproblem ist schon so gut wie gelöst.


    Religion

    Höcke spricht von der "Notwendigkeit einer religiösen Wiederverankerung" als "einer der entscheidenden Aufgaben der Zukunft". Wie die überwiegende Mehrheit der AfD-Mitglieder verbindet Höcke nichts mit dem Christentum. Die Religion kommt nicht wegen ihres Inhalts ins Spiel, sondern aus einer politischen Wirkung, die sich Höcke von der Stärkung der Religion verspricht: Freisetzung "innerer Kräfte der Menschen" "für die grundlegende Erneuerung unseres Landes".


    Der Kyffhäuser-Mythos als Leitbild

    Höcke möchte "unserem Volkscharakter" zur Regeneration und zum Durchbruch verhelfen. Dieser Begriff bleibt nebulös. Der AfD-Politiker spricht von "inneren Substanzen, aus denen der Genius des Volks seine Kraft schöpft und den es zu erhalten gilt". Bei diesen "inneren Substanzen" handele es sich um Mythen. Ihnen schreibt Höcke eine "belebende und identitätsstiftende Wirkung auf Menschen und Völker" zu.


    Besonders am Herzen liegt Höcke der "Kyffhäuser-Mythos der Deutschen: Bekanntlich schläft der alte Kaiser Barbarossa in einer Höhle des Kyffhäuserberges, um eines Tages mit seinen Getreuen zu erwachen, das Reich zu retten und seine Herrlichkeit wiederherzustellen".


    Diese Legende passt haargenau zum politischen Projekt von Björn Höcke. Vermutlich stellt er sich vor, er sei der zweite König Barbarossa. Immerhin wohnt er schon mal in der richtigen Gegend. "Die mitteldeutschen Refugien, das sagenumwobene 'Dunkeldeutschland' könnte als Überlebenskern unserer Nation eine elementare Bedeutung bekommen".


    Warum aber rangiert die Kyffhäusersage an vorderster Stelle unter den "deutschen Mythen"? Wie viele kennen diese Sage überhaupt? Und wem bedeutet sie heute etwas?


    Der "deutsche Volkscharakter"

    Wir haben es zusammengefasst mit folgendem Gedankengang zu tun: Der deutsche Volkscharakter nähre sich von Mythen. Das Besondere an den Deutschen sei, dass sie einen starken inneren Bezug zu diesen Mythen haben ("romantische Tiefenhellsichtigkeit der Deutschen"). Diese Mythen wirken sich auf die Deutschen dann "stärkend und heilbringend" aus, wenn die Deutschen ihre Identifikation mit ihren Mythen verstärken.


    Dafür, dass die Deutschen dies tun, brauche es eine Führung durch eine solche Elite, die die Mythen wertschätzt. Geführt von dieser Elite wachse dem deutschen Volk eine Macht und Herrlichkeit zu, der nichts widerstehen könne. Der Glaube versetze Berge.


    Der Kitsch als Zentrum der von Höcke propagierten Lebensart

    Die inhaltliche Armut seines politischen Projekts versucht Höcke zu kompensieren. Wenn man der Bevölkerung faktisch nicht mehr als "Ausländer raus" und "eine starke Hand" zu bieten hat, dann muss man sich wenigstens als denjenigen empfehlen, der ihnen ein neues Selbstbewusstsein verschaffe. Die subjektive Aufwertung des kleinen Ichs durch ein pompöses Größenselbst bildet das Angebot von Höcke für die Deutschen.


    In dem Gesprächsprotokoll wird deutlich, wie Höcke selbst jedes einzelne Moment seiner Existenz adelt, indem er es unmittelbar auf das große Ganze und Allgemeine bezieht. Wie in vielen Lebensmitteln heute die Geschmacksverstärker dominieren, so dominieren im Kitsch die stimmungsvollen Effekte. Kitsch besteht in der Vortäuschung einer Tiefe der Erkenntnis oder des Gefühls, ohne dass diese existiert.


    Höcke badet im Kitsch: "Und in dieser Ländlichkeit, wo die Welt noch groß und der Tag noch lang ist, liegt meine eigentliche Heimat, und dort wird sie auch bleiben." "Im dahingleitenden Geschichtsstrom - der Rhein! - verschwinden die menschlichen Werke nach und nach - die Burgruinen!"


    Sich und anderen die eigene Bedeutsamkeit einreden

    Der Übereifer, mit den Höcke ein bestimmtes Bild von sich aufdrängen will, wirkt penetrant. Höcke und sein Gesprächspartner zitieren unablässig aus dem philosophischen und literarischen Bildungsgut. Diese Zitate wirken wie ausgerupfte Federn. Höcke zitiert zwei Mal "den Lebenskunstphilosoph Wolfgang Schmid" und zwei Mal Wilhelm Schmid, ohne zu wissen, dass alle vier Zitate von Wilhelm Schmid stammen.


    Höcke hat es auf bedeutungsgravitätische Effekte und "Selbstverwichtigung" abgesehen. Er bietet in Serie unstimmige Bilder, missglückte Metaphern sowie sentimentale Phrasen. Seine Aufladung mit Größe funktioniert um den Preis unfreiwilliger Komik.


    Tatsächlich bleibt mir gegenwärtig oft nur das Schwelgen in Erinnerungen, wenn ich spätabends zu Hause vor dem Kaminfeuer sitze.

    Björn Höcke


    Ein Angeber kann es nicht dabei belassen mitzuteilen, er sei abends müde und sitze im Sessel. Er leidet unter dem Drang, sich größer darzustellen, als er ist. Unter einem "Schwelgen" vorm "Kaminfeuer" macht er es nicht.


    Der Sinn des Größenwahns

    Höcke versteht die Darstellung seiner Gefühlswelt nicht privat, sondern normativ. Der AFD-Politiker will eine Transformation der Gesellschaft, die über das Politische weit hinausgeht. Er hat klare Vorstellungen, zu welcher Lebensart seine Barbarossa-Elite die Deutschen umerziehen soll. Man fühlt sich an die Scherzpostkarte erinnert, auf der es heißt: "Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn." Die von Höcke angestrebte Mentalität steht im Gegensatz zum Satz "Reif ist, wer auf sich selbst nicht mehr hereinfällt" (Heimito von Doderer).


    Der AfD-Politiker predigt die Ergriffenheit von der eigenen Hingabe an selbstwertdienliche Illusionen. Höcke empfiehlt das Primat des Scheins über das Sein nicht allein den einzelnen Individuen, sondern dem ganzen deutschen "Volk".


    Die dauernde Anrufung weihevoller Bedeutungen soll eine Stimmung von "Herrlichkeit" erzeugen. Wer sich an ihr berauscht, erhebt sich subjektiv über die Wirklichkeit und ordnet diesem euphorischen Zustand auch die Aufmerksamkeit für die "menschlichen Härten und unschönen Szenen", die Höcke ankündigt, unter.


    Gegen die Moderne

    Höcke empfiehlt sich als Retter und Leader, der die eigentliche und wesentliche Mission der Deutschen wahrnimmt und ihnen nahebringt. Er tritt auf als Verkünder des infolge seiner vermeintlichen Ewigkeit Unwidersprechlichen, das alles moderne Argumentieren überbiete.

    Gemeint sind angeblich fundamentale Seinsschichten. "Die Moderne" wolle, so Höcke, von ihnen nichts wissen. Höcke kann sich nicht entscheiden, ob die Moderne diese vermeintlich übergeschichtlichen Fundamente zerstöre oder ob letztere den nie versiegenden Kraftquell des anzustrebenden AfD-Deutschlands bilden. Höckes Mission lautet jedenfalls: "Es geht nicht nur darum, ein Gemeinwesen gut zu organisieren. Es geht auch um die Wiederverzauberung der Welt."


    Höcke attackiert "die Moderne", um rationales Argumentieren zu entwerten. Die Aufmerksamkeit für die eklatanten Widersprüche seiner Aussagen könnte seiner Stimmungsmache schaden.


    Widersprüche

    Einerseits findet Höcke den "NS-Imperialismus, der eine Missachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker war", aus ungenannten Gründen nicht gut. Andererseits hebt er die seines Erachtens positiven Leistungen der Kolonialmächte hervor. "Möglicherweise besteht die größte Schuld der Kolonisten in ihrem oft kampflosen Rückzug."


    Der AfD-Politiker kritisiert die Moderne, andererseits bezieht er sich positiv auf "faustische Menschen". Höcke benutzt wie betriebsblinde Mitwirkende der "Erlebnisgesellschaft", die keine Unterschiede zwischen Geltungsmaßstäben der Erkenntnis, der Praxis und des Krimis kennen, den Begriff "spannend": "Letztlich ist das Vorhandensein von Grenzen auch die Voraussetzung für das äußerst spannende Abenteuer, diese zu überschreiten. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen. Als faustische Menschen sind wir Europäer dafür prädisponiert."


    Der Hinweis auf Widersprüche, in die sich ein Denken nicht verwickeln sollte, gilt Höcke als äußerst unromantisch. Zugleich beklagt er die "finale Auflösung" aller "Identitäten".

    Einerseits beschreibt Höcke die Gegenwart apokalyptisch. Er möchte tabula rasa schaffen, um dann 'Tischlein deck dich' spielen zu können. "Wir erleben die finale Auflösung aller Dinge: von den Identitäten der Geschlechter und Ethnien, den Familien, den religiösen Bindungen über die kulturellen Traditionen."


    Andererseits hat "die finale Auflösung aller Dinge" Höcke zufolge den Kyffhäusermythos und den deutschen "Volkscharakter" verschont. "Die Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur, welche einst die Wunden im Volk wieder heilt, die Zerrissenheit überwindet und die Dinge in Ordnung bringt, ist tief in unserer Seele verankert, davon bin ich überzeugt."


    Die "Vergangenheitsbewältigung"

    Auf die Behauptung, man relativiere den Holocaust nicht, folgt in Höckes Gesprächsprotokoll eben diese Relativierung. Höckes Gesprächspartner Hennig meint: "Ohne etwas zu relativieren, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass damals in Kriegszeiten überall haarsträubende Dinge passiert sind."

    Diese Andeutung lässt glauben, alle Kriegsparteien hätten sechs Millionen Juden in industriellem Massenbetrieb ermordet. Höcke rückt dieses Verbrechen in die Nähe von Fehltritten, die im Leben nun einmal unvermeidbar seien: "In der irdischen Welt sind Licht und Schatten wild miteinander verwirbelt."


    Wenn Höcke an 1933-45 denkt, gilt seine Aufmerksamkeit zunächst und zumeist der "katastrophalen Niederlage von 1945". Schlimm am NS sei also gewesen, dass er den Weltkrieg verloren hat. Aber: "Es gibt neben all dem Elend und Schrecken auch einen 'Vorsprung der Besiegten'." Höckes Gesprächspartner bringt eher der Pflicht als der Neigung gehorchend den naheliegenden Einwand: "Es fällt nicht leicht, angesichts der Millionen Toten und der gigantischen Zerstörungen einen 'Vorsprung' zu erkennen."

    Höcke zeigt, wem seine Empathie gilt. Anlässlich des Themas "Millionen Tote" durch Holocaust und deutsche Angriffskriege kommt Höcke gleich wieder auf "den Verlierer". Und das sind für ihn natürlich … die schwer geprüften Deutschen.


    Auch an dieser Stelle weiß Höcke einen seiner salbungsvollen Kalendersprüche anzubringen: "Carl Gustav Jung hat einmal gesagt: 'Da, wo wir stolpern, finden wir reines Gold'." Höcke lehnt jede Vergangenheitsbewältigung ab, die "unser nationales Selbstwertgefühl unterminiert". Er teilt mit, wie die Deutschen stattdessen die erlittenen "schweren Prüfungen" beantworten sollen: mit "elementaren Reifungsschüben" und "innerer Stärkung".


    Höckes drei Botschaften

    Höcke vertritt drei Botschaften. Erstens die üblichen rechten Positionen (zur Migration als vermeintliche "Mutter aller Probleme" und zur "Vergangenheitsbewältigung"). Zweitens das Plädoyer für kollektives überkompensatorisches Selbstbewusstsein. Höcke wartet zusätzlich mit dem Protokoll seiner individuellen Versuche auf, sein Selbstbewusstsein zulasten seines Bewusstseins zu steigern.


    Die Menschen sollen nicht wahrnehmen, wie es ihnen infolge der Umsetzung von Höckes Vorschlägen schlecht ergehen wird, sondern sich der grandiosen Vorstellung hingeben, Teil eines Volkes voller Macht und "Herrlichkeit" zu sein.

    Selbst die überwiegende Mehrheit der AfD belächelt Höckes Kyffhäuserfimmel. Er tut in dem Gespräch - wie gezeigt - auch einiges dafür, nicht ernst genommen zu werden. Anders verhält es sich mit Höckes Agitation für einen Umsturz. Höcke tritt ein für den gewaltsamen Ausschluss aller Opposition aus der von einer Elite mit "starker Hand" geführten Nation ein. Er befürwortet die Umerziehung der Bevölkerung zum "deutschen Volkscharakter" durch die "Zuchtmeister".


    Dieses brutale politische Projekt bildet die dritte Botschaft von Höcke. Es formuliert eine trotz allen verquasten Überbaus unmissverständliche Ansage. Höcke macht bekannt, was die Bevölkerung zu erwarten hat, wenn er und seinesgleichen nicht nur an die Regierung, sondern an die Macht kommen.


    https://www.heise.de/tp/featur…nd-4186178.html?seite=all

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    Kommt der Zug deutlich zu spät, gibt es Geld zurück. Theoretisch. Denn erst muss der Bahnkunde ein „Fahrgastrechte-Formular“ ausfüllen. „Und das ist unnötig kompliziert“, findet Student Philipp Löffler aus Hannover. Er hat jetzt einen Web-Service entwickelt, der die Sache deutlich verschlankt.


    Hannover. Was Bahnfahren angeht, ist Philipp Löffler selbst ein gebranntes Kind. Der gelernte Programmierer, Wirtschaftsinformatiker und Student aus Hannover nutzt seit Jahren regelmäßig die Bahn – und kam immer wieder mit ihr zu spät. Doch eine Fahrt 2016 brachte bei ihm das „Fass zum überlaufen“ und ihn auf die Idee, gebeutelten Bahnfahrern unter die Arme zu greifen, damit sie ein Teil ihres Geldes zurückbekommen: Bei der sonst eher komplizierten Fahrpreiserstattung.


    „Ich war damals zu einem privaten Termin unterwegs“, erinnert sich der Student. „Der Zug hatte eine ganze Stunde Verspätung. Den Termin habe ich natürlich nicht mehr geschafft.“ Das war ärgerlich. Doch noch wütender wurde Löffler, als er versuchte, sich über die Bahn einen Teil der Ticketkosten zurückzuholen. „Dazu hat grundsätzlich jeder Fahrgast das Recht“, erklärt der 25-Jährige. In der Theorie klingt der Vorgang sogar recht einfach: Die Verspätung bestätigen lassen, ein Formular ausfüllen und mit Belegen postalisch an das Servicecenter schicken – so die Anleitung auf Bahn.de. „Doch der Vorgang ist unnötig verkompliziert“, so der Student. „Neben den eigenen Stammdaten muss der Kunde die Nummer des Zugs heraussuchen, genaue Abfahrt, genaue Ankunft, tatsächliche Abfahrt und mehr.“ Dazu kommen Kleingedrucktes und Einschränkungen, wie die Preiserstattung erst ab einer Verspätung von 60 Minuten. Löffler: „Ich habe mich beim Ausfüllen damals maßlos darüber geärgert.“

    Die Idee zur Einfachheit

    Schnell kam ihm der Gedanke, dass auch andere von diesem Verfahren genervt, wenn nicht sogar abgeschreckt würden. „Und ich bin sicher, dass die Bahn es selbst einfacher machen könnte. Das war mein Ansporn, mich dem Problem anzunehmen.“


    Ein Jahr recherchierte der Wirtschaftsinformatiker, bevor er mit der an die Entwicklung des Web-Services ernst machte. Das Ergebnis: die Internetseite www.fahrpreiserstattung.de. „Über unsere Seite wird für die Erstellung des Erstattungsformulars statt rund zehn Minuten lediglich nur noch eine Minute zur Erstellung benötigt“, sagt Löffler. Das Prinzip funktioniert so: Hat der Nutzer den Tag seiner Reise in einer Kalenderauswahl angeklickt, werden ihm die an diesem Tag verspäteten Züge aus der Datenbank angeboten. Der große Vorteil: Zugnummer, Ankunftszeit, Verspätung und weitere Daten werden per Software automatisch ins Formular übertragen. „Das muss also keiner mehr selbst heraussuchen“, erklärt der Entwickler. Das so erstellte PDF muss allerdings noch selber ausgedruckt und per Post verschickt werden. „Ich gehe stark davon aus, dass die Formulare in Zukunft auch online verschickt werden können. Dann spart sich der Bahnfahrer Papier und Briefmarke“, erklärt er.

    Geld ist nicht der Ansporn

    Notwendig ist allerdings die Preisgabe von Name, Adresse etc. Logischerweise, denn sie sind zum Ausfüllen des Fahrgastrechte-Formulars ohnehin nötig. Gerade für Vielfahrer und Pendler ist das so erstellte Nutzerkonto allerdings auch praktisch: „Die geben ihre persönlichen Daten einmal ein und brauchen bei den nächsten verspäteten Fahrten nur noch den Zug herauszusuchen.“


    Der Service ist übrigens kostenfrei. „Ich mache kein Geld mit dem Service, mit den Daten und auch nicht per Werbung. Vielleicht kann ich irgendwann etwas damit verdienen, wenn ganz viele Leute die Internetseite nutzen“, so der Student. Nach zwei Wochen Laufzeit habe er aber erst 40 Nutzer. „Die Internetseite ist schlichtweg noch zu unbekannt“, erklärt er. Geld sei aber auch gar nicht Antrieb Nr. eins. „Im Grunde wünsche ich mir als Kunde, dass die Bahn selbst ihren Erstattungsservice vereinfacht.“

    Von Simon Polreich


    http://www.neuepresse.de/Hanno…verspaetete-Zuege-einfach

    hekse hat einen neuen Termin erstellt:

    Von Christian Vock

    Aktualisiert am 02. Oktober 2018, 06:26 Uhr


    Geiz ist geil? Eben nicht. Besonders nicht bei Lebensmitteln. Die günstigen Preise bei Discountern zahlen nämlich nicht die Kunden mit ihren vermeintlichen Schnäppchen, sondern wir alle. Aber es gibt Möglichkeiten, sich dem Billig-Wahn zu entziehen.


    Eine Gurke: 39 Cent. Das Kilo Schweinebraten, fertig gewürzt: 4,89 Euro. Ein Liter frische Vollmilch: 69 Cent. So steht es im aktuellen Angebot eines deutschen Discounters und so findet man es in vielen anderen Supermärkten auch. Lebensmittel in Deutschland sind günstig.


    Doch was, wenn dieser günstige Preis nur die halbe Wahrheit erzählt? Wenn die Lebensmittel nicht nur günstig, sondern zu günstig sind? Der Preis eines Lebensmittels setzt sich aus vielen Faktoren zusammen: den Kosten für die Erzeugung, für den Vertrieb, für das Marketing, für Arbeitskosten, Steuern und so weiter.

    Liste der Schäden durch Lebensmittelproduktion ist lang

    Was in all den Preisberechnungen fehlt, sind die Kosten für die Schäden, die bei der Produktion an Mensch, Natur und Tieren entstehen. Externe Kosten heißt dieser Effekt im Wirtschaftsjargon und das sind eine ganze Menge.


    Bodenerosion, Ausstoß von Treibhausgasen, Verschmutzung der Gewässer, die Auswirkungen von Pestiziden auf Tiere, Menschen und Natur, die Rodung von Wäldern zum Flächengewinn für Tierfutteranbau, Verlust von Artenvielfalt, Überfischung der Meere - die Liste der Schäden, die die Lebensmittelproduktion verursacht, ist lang, die Kosten sind hoch.


    So liegen laut Peter Röhrig, dem Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V., kurz BÖLW, zum Beispiel die Kosten, um das Trinkwasser zumindest so zu reinigen, dass die Grenzwerte eingehalten werden, derzeit bei jährlich 1,5 Milliarden Euro. Würde man Nitrat und Pestizide komplett herausfiltern wollen, lägen die Kosten laut Röhrig sogar bei rund 50 Milliarden Euro.

    Der wahre Preis fürs Essen

    Für diese Kosten zahlt aber nicht derjenige, der die Schäden verursacht und auch nicht derjenige, der die Produkte kauft - es zahlen alle. Ein Zustand, den auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisiert: "Wir fordern seit langem, dass das sogenannte Verursacherprinzip gilt. Das heißt, dass derjenige, der die Umweltkosten verursacht, auch dafür aufkommen muss", erklärt Pressesprecher Dario Sarmadi.


    Für die Gurke, den Schweinebraten oder den Liter Milch würde das bedeuten: Sie werden teurer. Wie teuer, das hat vor kurzem eine Studie der Universität Augsburg im Auftrag der Tollwood GmbH für Kultur- und Umweltaktivitäten und der Schweisfurth Stiftung untersucht.


    Dabei hat man sich auf drei Umweltfolgen (Stickstoff, Klimagase und Energieerzeugung) konzentriert und deren Kosten für unterschiedliche Lebensmittelkategorien berechnet.


    Die Preise, die dabei herausgekommen sind, sprechen eine deutliche Sprache. Bei tierischen Produkten aus konventioneller Haltung beziehungsweise Produktion beträgt der Preisaufschlag auf die Erzeugerpreise 196 Prozent. Bei konventionell hergestellten Milchprodukten liegt der Aufschlag bei etwa 96 Prozent, bei pflanzlichen Produkten noch bei 28 Prozent.

    Schäden werden erst spät sichtbar

    Legt man die externen Kosten auf den Ladenpreis um, ist der Aufschlag zwar geringer, aber immer noch auffallend. So ergeben sich für konventionelle tierische Produkte Aufschläge in Höhe von 43 Prozent, auf konventionelle Milchprodukte 32 Prozent und auf konventionelle pflanzliche Produkte 6 Prozent.


    Die Discounter-Gurke müsste demnach nicht 39 Cent, sondern knapp 41 Cent kosten, der Liter Milch nicht 69 Cent, sondern etwa 91 Cent und der Schweinebraten statt 4,89 Euro etwa 7 Euro. Ein enormer Preisunterschied, den wir aber nicht an der Supermarktkasse serviert bekommen, sondern auf anderem Weg.


    Zum Beispiel durch die Abwasserreinigungskosten oder durch Schäden infolge des Klimawandels. Manche dieser Kosten zahlen wir gleich, bei anderen geben wir die Rechnung an unsere Kinder weiter, weil die Schäden erst später sichtbar werden.

    "Die Industrie ist Kern des Problems"

    Was also tun? Für Dario Sarmadi von Foodwatch ist hier in erster Linie die Politik gefragt. Sie sollte dafür sorgen, dass die externen Kosten auch in den Regalen angezeigt werden, denn nur so hat der Kunde Transparenz.


    "Im Supermarkt sollte es ehrliche Preise geben, erst dann kann man eine wirkliche Entscheidung treffen. Natürlich kann man sagen: Leute, kauft mehr Bio, aber das ist immer noch eine soziale und eine Kostenfrage."


    Dass die Politik in dieser Sache handelt und tatsächlich dafür sorgt, dass die Lebensmittelindustrie vergleichbare Preise schafft, sieht Sarmadi skeptisch: "Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kümmert sich einerseits um den gesundheitlichen Verbraucherschutz, gleichzeitig kümmert sich Frau Klöckner aber auch um die Interessen der Landwirtschaft und Ernährungsindustrie. Das ist ein Interessenskonflikt, der sich oft nicht auflösen lässt, denn die Industrie ist in vielen Fällen nicht Teil der Lösung, sondern der Kern des Problems."


    Wer nicht darauf warten möchte, dass Politik oder Industrie handeln, kann trotzdem etwas tun, um die Kosten für die Umwelt zu reduzieren. Hier lautet das erste Gebot: Weniger ist mehr. Statt sich täglich ein Brot mit Discounter-Wurst zu schmieren, könnte es auch der gute alte Sonntagsbraten werden. Vom Bio-Metzger, in Ruhe zubereitet und mit Freunden und Familie gemeinsam verspeist.

    Die Mär vom deutschen Schnäppchenjäger

    Die viel erzählte Mär vom Deutschen, der nur auf den Preis schaut, stimmt ohnehin nicht. Die Deutschen geben zwar nur rund 10 Prozent aller Konsumausgaben für Lebensmittel aus, während es in Frankreich beispielsweise 13 und in Italien sogar 14 Prozent sind. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.


    Zum einen gebe es laut Dario Sarmadi in Deutschland ein höheres durchschnittliches Einkommen, wodurch der Anteil selbst sinkt. Zum anderen seien in Deutschland Lebensmittel generell viel billiger als in anderen Ländern, was an der großen Macht der Discounter liege.


    "In Deutschland ist die Discounter-Dichte viel höher als zum Beispiel in Frankreich. Dadurch entsteht ein Preiskampf nach unten. Das sieht man ganz gut am Unterschied zwischen den Eigenmarken der Discounter und den Produkten der anderen Anbieter. Dieser Unterschied ist in Deutschland besonders groß", erklärt Sarmadi.


    Eine zweite Möglichkeit besteht darin, häufiger zu Bio-Lebensmitteln zu greifen als zur Billig-Ware. Bio-Produkte verursachen zwar auch externe Kosten, aber deutlich geringere. So liegt laut Studie der Ladenpreisaufschlag auf tierische Produkte hier statt bei 43 Prozent "nur" bei 18 Prozent. Bei pflanzlichen Bio-Produkten müsste man für die externen Kosten sogar nur 1 Prozent aufschlagen.


    Verwendete Quellen:

    https://web.de/magazine/ratgeb…rkt-essen-kostet-33187788