Medikamente im Alter : Wirkungen und Nebenwirkungen

  • Es gibt Medikamente, deren Einnahme für ältere Menschen und bei bestimmten Vorerkrankungen kritisch ist. Welche Arzneistoffe als besonders riskant eingestuft werden, ist auf der sogenannten PRISCUSListe aufgeführt.


    Die PRISCUS-Liste

    Im Rahmen des Projektverbunds PRISCUS, der sich mit der Gesundheit und Gesundheitsversorgung alter Menschen befasst, haben Wissenschaftler eine Liste mit all jenen Medikamenten erstellt, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind. Vorbild war die US-amerikanische "Beers-Liste". Diese Liste, erstmals 1991 in den USA veröffentlicht und inzwischen mehrfach aktualisiert, führt Medikamente auf, die bei der Behandlung von alten Menschen als riskant gelten. Da sich die "Beers-Liste" aufgrund der länderspezifischen Arzneimittelzulassungen und Verschreibungspraktiken nur sehr begrenzt auf Deutschland übertragen lässt, wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erarbeitung der PRISCUS- Liste gefördert.


    Die Wissenschaftler überprüften dazu zunächst die "Beer-Liste" sowie weitere publizierte Listen aus dem Ausland auf Übertragbarkeit auf den deutschen Markt. Gleichzeitig wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, um Hinweise auf arzneimittelbezogene Probleme bei älteren Menschen zusammenzutragen. Darauf basierend ergab sich eine Liste mit häufig verordneten und möglicherweise bedenklichen Medikamenten für Ältere. Diese Liste wurde Experten aus den unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen zur Bewertung vorgelegt. Das Ergebnis: Derzeit umfasst die PRISCUS- Liste 83 Medikamente, die als potenziell ungeeignet für alte Menschen gelten.


    WICHTIG: Diese Liste erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch ersetzt sie eine auf den einzelnen Patienten bezogene Nutzen-Risiko-Abwägung. Sie soll vielmehr auf besondere Probleme bei der Arzneimitteltherapie älterer Menschen aufmerksam machen und ist als Hilfestellung für Ärzte und Apotheker gedacht. Deshalb werden nicht nur die riskanten Arzneistoffe und ihre möglichen Nebenwirkungen aufgelistet, sondern es werden unbedenkliche Alternativen genannt. Sollte sich die Anwendung des problematischen Wirkstoffs nicht vermeiden lassen, so erhält der Arzt konkrete Anleitungen, was nach der Gabe eines risikoreichen Medikaments in bestimmten Abständen zu kontrollieren ist, damit Nebenwirkungen rechtzeitig erkannt werden können.

    Ungünstiger Medikamentenmix

    Mitunter ist es jedoch nicht ein einzelner Wirkstoff, der gefährliche Nebeneffekte verursacht, sondern das Zusammenwirken verschiedener Medikamente. Daher muss bei Patienten, die unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden – man spricht von Multimorbidität – die Medikation stets alle Erkrankungen berücksichtigen. Eines der PRISCUS-Projekte beschäftigt sich daher auch mit der Erstellung von Behandlungsleitlinien für typische Erkrankungskombinationen im Alter, also beispielsweise Leitlinien zur Behandlung von Arthrose mit gleichzeitigem Bluthochdruck oder von Diabetes mit gleichzeitiger Herzschwäche.


    Häufig können nicht alle Erkrankungen eines multimorbiden Patienten gleichermaßen gut behandeln werden. Dann muss der Patient gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, welchen Schwerpunkt und welches Ziel die Behandlung haben soll. In vielen Fällen wünschen sich ältere Patienten eine Medikation, die vorrangig Beschwerden behandelt, durch die sie im Alltag einschränkt sind. So z. B. die Linderung von Schmerzen oder Angstzuständen.

    Fazit

    Ein wichtiges Fazit aus den bislang vorliegenden Untersuchungen der verschiedenen PRISCUS-Projekte lautet: Jeder Arzt, der einem älteren Patienten ein Arzneimittel verordnet, ist zum einen gefordert, bei der Nutzen-Risiko-Abwägung des Medikaments auch die altersspezifischen Besonderheiten seines Patienten zu berücksichtigen und die Dosierung entsprechend anzupassen. Zum anderen muss er sich einen Überblick über die Gesamtmedikation verschaffen. Dazu ist einmal mehr die fachübergreifende Zusammenarbeit aller behandelnden Ärzte gefragt. Der Patient kann ebenfalls seinen Beitrag dazu leisten. Er sollte eine Liste sämtlicher Medikamente, die er einnimmt, seinem Arzt vorlegen und im Falle von riskanten Wechselwirkungen mit ihm besprechen, welche Therapie Vorrang haben sollte.

    PRISCUS

    Priscus (lateinisch: "alt, altehrwürdig") ist der Name eines Forschungsverbundes, der sich mit verschiedenen Projekten zum Thema "Gesundheit im Alter" beschäftigt.

    Dabei geht es um Fragestellungen wie:

    • Was muss man bei der Behandlung älterer Menschen berücksichtigen?
    • Wie müssen Medikamente aufeinander abgestimmt werden, wenn mehrere chronische Erkrankungen vorliegen?
    • Was sind die Ziele der Therapie?

    Verbundpartner und ihre Projekte sind:

    • die Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover: Hausärztliche Versorgung
    • die Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum: Entwicklung neuer Behandlungsstandards
    • der Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung der Ruhr-Universität Bochum: Einfluss der körperlichen Aktivität auf die Gesundheit
    • der Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/Herdecke: Verbesserung der medikamentösen Versorgung älterer Menschen
    • das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster: Auswirkungen von Mehrfacherkrankungen auf die Lebensqualität von Patienten, unter anderem nach Schlaganfall
    • die Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld: gesundheitsökonomische Modelle
    • die Abteilung Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum: Datenzentrale des Verbundes

    Ziel eines der Teilprojekte war die Entwicklung einer Liste von Medikamenten, die für ältere Patienten nicht geeignet sind oder deren Dosierungen bei ihnen angepasst werden müssen. Diese PRISCUS-Liste potenziell inadäquater Medikamente (PIM) wurde in Kooperation mit anderen Projektpartnern, der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sowie mit Hilfe von 27 Ärzten und Apothekern mit Expertise in der Arzneimitteltherapie älterer Menschen erstellt. Sie beinhaltet 83 für ältere Patienten möglicherweise ungeeignete Arzneimittel, mögliche Therapiealternativen zu diesen Substanzen sowie weitere Empfehlungen für die klinische Praxis. Für den Fall, dass die Verordnung eines kritischen Arzneimittels nicht vermieden werden kann, werden beispielsweise Dosierungsvorschläge und Überwachungshinweise auf der PRISCUS-Liste aufgeführt. Die PRISCUS-Liste soll die Arzneimitteltherapie von älteren Patienten sicherer machen, indem sie hilft, möglicherweise ungeeignete Medikamente, Interaktionen und Nebenwirkungen zu vermeiden. Sie sollte dafür in geriatrische Therapiekonzepte und in Leitlinien eingebunden werden.


    Weitere Informationen in der Broschüre: https://www.bmbf.de/pub/Medikamente_im_Alter.pdf


    Die Broschüre kann auch bestellt werden:

    Publikationsversand der Bundesregierung

    Postfach 48 10 09

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    http://medikamente-im-alter.de/priscus.html

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!