Eine Poolnudel Sicherheitsabstand

  • Die Rechtsprechung ist eindeutig: 1,5 Meter seitlichen Abstand sollten Autos beim Überholen von Radfahrern einhalten. Darauf machte jetzt der ADFC mit einem Fahrradkorso am Engelbosteler Damm aufmerksam. Sie hatten sich Poolnudeln auf den Gepäckträger geschnallt, um die nötige Distanz zu verdeutlichen. Ein überraschend breiter Abstand ...


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    „Halte Abstand zum Rad“: Mit bunten Poolnudeln verdeutlichte der ADFC Autofahrer den richtigen Abstand. Quelle: Tim Schaarschmidt


    Hannover. Gemütlich schiebt sich die Schlange aus elf Fahrradfahrern den Engelbosteler Damm entlang. 20 Stundenkilometer. Höchstens. Hinter den Radlern staut sich der Autoverkehr. Überholen will keiner. Der Grund: Die knallbunten Poolnudeln, die sich die Radfahrer seitlich auf den Gepäckträger geschnallt haben. Gerade mal 1,5 Meter sind sie breit, doch sie versperren die Spur. Die Aktion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) erregt Aufsehen, morgens um 11 Uhr auf dem Engelbosteler Damm. Und sie macht neugierig.


    „1,50 Meter, das ist der seitliche Abstand, den andere Verkehrsteilnehmer beim Überholen zum Radfahrer, aber auch zu parkenden Autos halten sollten“, erklärt Eberhard Röhrig-van der Meer, Sprecher des ADFC. Die genaue Breite leitet sich zwar nicht aus der Straßenverkehrsordnung ab – dort ist lediglich von einem „ausreichenden Abstand“ die Rede. „Allerdings haben mehrere Gerichtsurteile bestätigt, dass Autos mindestens 1,5 Meter Platz lassen müssen, wenn sie überholen“, erklärt er. „Sind Kinder dabei, müssen sogar 2 Meter eingehalten werden.“


    Um diesen Abstand einmal anschaulich zu machen, haben sich die elf ADFC-Mitglieder am Dienstag zu der Aktion am E-Damm verabredet, die Poolnudeln auf den Gepäckträger geschnallt und Westen mit einer Grafik „Abstand halten“ angezogen. Die Reaktion der Autofahrer auf die Testfahrten den Damm hoch und runter sind fast immer gleich: respektvoller Abstand und Geduld. Lediglich ein Moia-Shuttle und ein weiterer Autofahrer trauen sich zu überholen, als auf der Gegenspur ausnahmsweise gähnende Leere herrscht. „Allerdings musste sich ein Autofahrer zwischen unserer Gruppe und einer anderen Radfahrerin kurz einordnen, um den Gegenverkehr nicht zu behindern“, hat Röhrig-van der Meer beobachtet. „Als er die Frau dann überholte, hat er schon wieder zu wenig Abstand eingehalten.“


    Das sei leider der Normalfall auf vielen Straßen in Hannover, die sich Radfahrer mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen müssten, so die ADFC-Mitglieder. Ein besonderes Negativ-Beispiel sei die Königsstraße mit ihrem „Schutzstreifen“ – der weiß gestrichelten Linie, die Radfahrern eine Spur frei hält und die Autofahrer im „Ausnahmefall“ aber überfahren dürfen. „Diese Spur ist so schmal, dass der Radfahrer zum einen selbst gar keine 1,5 Meter zu parkenden Autos entfernt ist.“ Eine große Gefahr, wenn jemand plötzlich die Autotür öffnet. „Aber auch dem fahrenden Autofahrer signalisiert er: Ich darf bis an die gestrichelte Linie heranfahren – obwohl ich bis zum Radfahrer dann keine 1,5 Meter Platz lasse “, erklärt der ADFC-Sprecher.


    Der durch Gerichtsurteile vorgegebene Abstand sei in der Praxis erstaunlich breit – das konnten nicht nur die Autofahrer am E-Damm beobachten. „Mich hat die Breite selbst überrascht“, sagt ADFC-Sprecherin Annette Teuber. Dem Radfahrer-Club gehe es deshalb gar nicht um den erhobenen Zeigefinger: „Die Aktion ist gedacht als Einladung an alle Verkehrsteilnehmer zu einem fairen Miteinander.“

    Von Simon Polreich


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