Film von 1943 zeigt erstmals Hannover nach Bombenangriff

  • Kommentarlos war das wertvolle Dokument am Tresen des Historischen Museums abgegeben worden: ein Film, der erstmals in bewegten Bildern Hannover nach einem Bombenangriff der Alliierten zeigt. Der Künstler Otto Gefers hatte die Aufnahmen Ende Juli 1943 angefertigt – unter großen persönlichen Risiken.


    Es scheint fast, als sei das alles schon Alltag. Die rauchenden Ruinen. Marktkirchenturm und Oper ohne Dach. Existenzen in Trümmern. Dabei zeigen die Bilder die Folgen des ersten schweren Luftangriffs auf Hannover am 26. Juli 1943. Sie sind eine kleine Sensation. Denn es sind bewegte Bilder. Im November letzten Jahres tauchte der 8-Millimeter-Schmalfilm im Historischen Museum auf. „So etwas hat es bisher noch nicht gegeben“, sagt Andreas Fahl, stellvertretender Direktor des Historischen Museums.


    Angefertigt hat die Aufnahmen der Künstler Otto Gefers, der mit seiner Frau nach dem Krieg in Isernhagen lebte – wenige Tage nach dem Angriff. Unter großen persönlichen Risiken. Denn das Filmen und Fotografieren von Zerstörungen hatten die Nazis streng verboten. „Wenn man ihn erwischt hätte, wäre er dafür im Knast oder KZ gelandet“, berichtet Fahl. Er vermutet, dass Gefers versucht hat, möglichst diskret zu filmen. Viele der jeweils kurzen Filmsequenzen seien aus Perspektiven entstanden, bei denen dieser wohl nur schwer zu entdecken war.

    Trotz Zerstörungen: Der Alltag der Hannoveraner geht weiter

    Der rund dreiminütige Film beginnt mit einem Schwenk auf ein zerstörtes Eckhaus an der Leinstraße und zeigt danach kaputte Häuser hinter der Marktkirche, die im Hintergrund zu erkennen ist. Dem Gotteshaus fehlt bereits die Spitze des Turms. Auch das völlig zerstörte Café Kröpcke ist zu sehen, dahinter die Ruine des Opernhauses, später noch qualmende Trümmer am Markt. Und überall dazwischen Passanten, zu Fuß und auf Fahrrädern, die von all dem kaum Notiz zu nehmen scheinen und fast emotionslos ihren Alltagsgeschäften nachgehen. „Die Bevölkerung zu demoralisieren, hat weder bei den Angriffen auf Deutschland funktioniert, noch zuvor bei den Angriffen der Luftwaffe auf London“, sagt Museumsmann Fahl.

    Dabei mussten die Hannoveraner schon längst erfahren haben, was sich kurz zuvor in Hamburg abgespielt hatte. Operation Gomorrha nannten die Alliierten die Serie schwerer Luftangriffe, mit der sie in der Elbmetropole einen Feuersturm nie gekannten Ausmaßes entfachten. Mindestens 34 000 Menschen kamen dabei ums Leben.


    Erster schwerer Angriff trifft Hannovers Altstadt eher zufällig


    Erst Sprengbomben, um die Häuser zu beschädigen. Dann Brandbomben hinterher, um darin Feuer zu legen. In Hannover waren die ersten großen Zerstörungen am Mittag des 26. Juli durch 92 US-Bomber noch eher zufällig. Eigentlich galt der Angriff vor allem dem AFA-Batteriewerk in Stöcken sowie dem Stammwerk der Continental AG an der Philipsbornstraße. Doch einige der Bomberbesatzungen lösten einige Sekunden zu spät aus und trafen ausgerechnet die für Brände besonders anfällige Altstadt.

    Es sollten noch viele weitere und vor allem schwerere Angriffe folgen. Besonders der 9. Oktober 1943 hat sich ins historische Gedächtnis der Stadt eingebrannt, als 540 Bomber der britischen Royal Airforce 258 000 Brandbomben sowie 3000 Sprengbomben auf Hannover abwarfen. 1245 Menschen starben. Beim Angriff am 26. Juli waren es 273 gewesen.

    Bilder von all dem sollte es möglichst nicht geben, wenngleich das Historische Museum einige Fotos in seinem Archiv hat, die Zerstörungen bereits in der Kriegszeit dokumentieren. Oft heimlich gemacht und verwackelt, teilweise auch im Auftrag der Stadt angefertigt. Dass es nun aber auch Filmaufnahmen davon gibt, ist neu.


    Museum zeigt Film vom 26. bis 29. Juli im Foyer (17 Uhr)


    „Kommentarlos am Tresen“ am Eingang des Museums habe ein Bekannter der Schwiegertochter von Otto Gefers das wertvolle Filmdokument abgegeben, berichtet Katharina Walter, die für das Bildarchiv des Museums zuständig ist. Anschauen konnte sie dieses erst einige Wochen später im Filminstitut der Hochschule Hannover, das über einen Projektor verfügt, mit dem sich 8-Millimeter-Filme abspielen lassen.

    Dort wurde das Dokument auch digitalisiert. Von Donnerstag (26. Juli) bis Sonntag (29. Juli) soll der Film jeweils um 17 Uhr im Foyer des Museums gezeigt werden. Es ist der Anfang vom Untergang des alten Hannovers, der darin zu sehen ist. Ein Schicksal, das die Stadt „mit vielen anderen geteilt“ habe, sagt Andreas Fahl. Es sei eine neue Qualität des Zweiten Weltkrieges gewesen, dass „Zivilisten weit hinter der Front zum Ziel geworden“ seien. Begonnen habe das bereits im September 1939, als die Deutschen die polnische Hauptstadt Warschau „sturmreif gebombt“ hätten.

    Von Christian Bohnenkamp


    http://www.neuepresse.de/Hanno…nnover-nach-Bombenangriff

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!

  • Solche Film-Entdeckungen beinhalten stets die Gefahr, dass Revisionisten und rechte Spinner es als Vorlage benutzen, die Kriegsverbrechen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg relativieren zu wollen. Darum ist gerade an dieser Stelle der Hinweis wichtig, dass nicht allein der Bombenkrieg, sondern die vielen Abrissorgien beim Wiederaufbau sehr viele Gebäude zerstörten in Hannover.