betreute Wohngemeinschaften im Stadtteilhaus Garbsen

  • So läuft das Leben im Stadtteilhaus

    Großes Interesse am Stadtteilhaus: Fünf Monate nach Eröffnung ist die Hälfte der betreuten Wohngemeinschaften vermietet, der Mittagstisch etabliert. Weiteres Ziel: der Aufbau eines Pflegenetzwerks.


    Altgarbsen. In der Küche im ersten Stock des Nachbarschaftszentrums im neuen Stadtteilhaus an der Beethovenstraße duftet es nach gedünsteten Zwiebeln und Speck. Unterdessen kochen nebenan auf dem Herd Salzkartoffeln in einem randvollen Zehn-Liter-Topf. „9,5 Kilogramm haben wir geschält“, sagt Renate Ahrens. Die 68-Jährige, Heyda Küsücü und Annegret Braun kochen für den Mittagstisch im Stadtteilhaus – ehrenamtlich und einmal die Woche dienstags. „Heute stehen Spinat, Kartoffeln und Rührei auf dem Speiseplan“, sagt Braun und schlägt mittlerweile 60 Eier in eine Schüssel. „Zwei für jeden – wir rechnen mit etwa 30 Essensgästen.“


    Küsücü kommt aus Hannover-Ahlem und arbeitet dort als Erzieherin. Den Dienstagmorgen hat sie sich extra freigehalten. „Ich möchte gern älteren Menschen helfen und freue mich auf viele neue Kontakte“, sagt die 48-Jährige. „Zuhause ist es mir zu langweilig, die Arbeit macht mir Spaß“, sagt Braun, die sich in Garbsen gleich mehrfach ehrenamtlich engagiert – von der Begleitung von Demenzkranken bis zum Engagement bei der städtischen Freiwilligenagentur.

    Mittagstisch kommt gut an

    Das Mittagsangebot hat sich herumgesprochen, schon um kurz vor 12 Uhr warten die ersten Gäste im Speiseraum. 4 Euro nimmt der Träger der Einrichtung, das Evangelischen Johannesstift, als Spende für das Essen, inklusive Nachspeise, Getränke kosten extra. „Lecker“, lautet das knappe Urteil der Gäste, sie lassen sich weiter ihr Dessert schmecken – Quarkspeise mit frischen Kirschen – und klönen bis 13.30 Uhr.

    Im Bewegungsraum nebenan tanzen unterdessen Waltraud Loos, Vera Schlack und vier andere Frauen. Fit für Körper und Geist heißt das Angebot, das Anke von Alven im Nachbarschaftszentrum anbietet. Die Tanztrainerin leitet zweimal wöchentlich Kurse im Stadtteilhaus. Das Angebot richtet sich an alle Interessierte, nicht nur an Bewohner. „Prävention ist wichtig“, sagt die Altgarbsenerin Gisela von Alven (78), die den Kurs wöchentlich besucht „Die Bewegungsspiele und Gedächtnisübungen machen viel Spaß“, ergänzt Vera Schlack.

    Pflegebedürftige können in WGs autark leben

    Die 82-Jährige aus Schloß Ricklingen ist vor einigen Wochen in eine der ambulant betreuten Wohngemeinschaften im Stadtteilhaus gezogen. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie. In den vier Wohngemeinschaften mit je zwölf Personen können die Bewohner trotz Pflegebedürftigkeit ganz selbständig leben. Die Nachfrage für das neue Konzept ist da: „Die Hälfte der Wohnungen ist bereits vermietet“, sagt Johanna Sandersfeld, die das Projekt Stadtteilhaus von Beginn an betreut. Pro WG gibt es einen Alltagsbegleiter, der die Bewohner unterstützt, mit ihnen Speisepläne bespricht, einkauft und kocht. Bewohnerin Vera Schlack hat unter anderem die Blumenkästen rund ums Stadtteilhaus bepflanzt und kümmert sich ums Gießen.

    Die Betreuung im Stadtteilhaus sei sehr individuell. Einige Bewohner seien fit, manche brauchten Unterstützung. Ein Pflegedienst gleich nebenan gehört ebenfalls zur Einrichtung. 30 Mitarbeiter sind bereits im Stadtteilhaus tätig. „Bewohner können sich hier auch aber von Angehörigen oder einem Pflegedienst ihre Wahl betreuen lassen“, sagt Sandersfeld. Im Dachgeschoss hat das Stift drei Wohnungen für Mehrfachbehinderungen eingerichtet. Zwei sind schon vermietet. Zu den ersten Mietern gehört Michael Günther. „Er war mein wichtigster Berater“, sagt Sandersfeld. Günther hat an seiner zwei-Zimmer-Wohnung mitgeplant – von der Aufladestation für den Rollstuhl bis zu Fernbedienungen für Fenster und Türen mit kleinen, mobilen Computern. „Das beste hier ist das supernette Personal“, sagt Günther. „Und dass ich seit 43 Jahren erstmals meine eigenen vier Wände habe.“

    „Wir brauchen ein Pflegenetzwerk“

    Das Interesse am neuen Stadtteilhaus ist groß: Kurz nach der Eröffnung besichtigten mehr als 140 Nachbarn die Einrichtung, die Kirchengemeinde Alt-Garbsen lud hierhin zum Kaffeetrinken ein, der Wohnwinkel – mit 30 Personen – sowie die Garbsener SPD und CDU haben sich angekündigt. „Die Einrichtung ist als Treffpunkt, Nachbarschaftszentrum und Wohnort für Ältere im Stadtteil angekommen“, sagt Johanna Sandersfeld, Koordinatorin des Stadtteilhauses. Es gäbe nach wie vor rund um das Thema Pflege einen großen Informationsbedarf, sagt sie, dies hätten Vertreter von Garbsener Vereinen und Kirchengemeinden, die sich mit Seniorenarbeit beschäftigen, auch bei einem Treffen im Rathaus signalisiert. „Ja, wir brauchen ein Pflegenetzwerk“, sei die einhellige Meinung gewesen. „Es ist wichtig, vom anderen zu wissen“, betont Sandersfeld.


    Die Bildung eines Pflegenetzwerkes sei das Schwerpunktthema des diesjährigen Austauschtreffens der Altenarbeit betreibenden Vereine, Verbände und Kirchengemeinden gewesen, sagt Stadtsprecherin Christina Lange. Ein solches Netzwerk solle die pflegerische Infrastruktur zu stärken und die gesundheitliche Versorgung der alternden Menschen in Garbsen auch weiterhin bedarfsgerecht sicherstellen. Mitglieder des Sozialausschusses sowie Vertreter der Ratspolitik und von Garbsener Pflegeanbietern nahmen ebenfalls teil. „Wir wollen ein Pflegenetzwerk aufbauen, welches von den vielen Beteiligten aus dem Gesundheits- und Pflegebereich und den an der hiesigen Soziallandschaft mitwirkenden Aktiven gestaltet und getragen wird“, sagt die städtische Seniorenberaterin Heike Müller-Schulz. Derzeit bereitet die Stadt ein erstes Treffen für dieses Jahr vor, um den Aufbau des Netzwerks auf den Weg zu bringen. jgz

    Von Jutta Grätz


    http://www.haz.de/Umland/Garbs…adtteilhaus-in-Altgarbsen

    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!