Park der Sinne

  • Bei Führungen gibt’s im Park sogar Cola-Kraut

    Am Kräutertisch können Kaugummi- und Colakraut probiert werden, im Echogarten lässt sich schnurlos und stromfrei telefonieren: Der Rundgang im Park der Sinne birgt für die Besucher manche Überraschung.


    Laatzen-Mitte . Vom Expo-Projekt zum beliebten Naherholungsziel: Der Park der Sinne bietet bei freiem Eintritt eine Vielzahl von eindrucksvollen Erlebnissen. Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen sind die klassischen fünf Sinne – und auch wenn Reden nicht dazu gehört, ginge der bei den Führungen im Park als sechster durch: Denn bei den Rundgängen mit autorisierten Parkführern erfährt – und erlebt – der Besucher mehr. So wie am Sonntagnachmittag eine 16-köpfige Gruppe mit Bürgern aus Laatzen und der weiteren Region, die sich von Karin Engelke über die Geschichte des sieben Hektar großen Areals und seine Geschichte informieren ließen.


    „Der etwa zehn Fußballfelder große Park ist als Projekt zur Weltausstellung im Jahr 2000 auf einer alten Deponie angelegt worden – da kann man nichts Schöneres darauf machen“, sagt Engelke, die als Parkführerin von Anfang an dabei ist und jährlich bei rund 20 Führungen ihren Teilnehmern auch Überraschendes zu erzählen weiß. Beispielsweise am Kräutertisch, an dem abgezwackte Blätter beim Probieren nach Cola, Kaugummi oder dem Zuckerersatz Stevia schmecken. Oder am so genannten Litophon mit mehreren steinernen Klangkörpern, auf denen man mit Gummihammerschlägen bei etwas musikalischem Gefühl auch einfache Melodien spielen kann.


    Am Kräutertisch gibt’s auch Stevia

    Schauen, Anfassen, Riechen, Zerreiben und dann erst Schmecken: Am Kräutertisch können sich Besucher darin üben, dem Geschmackssinn zu vertrauen. Da schmeckt dann die eine Pflanze – die Eberraute – überraschend nach Cola, eine andere – die Frauenminze – schon mal nach Kaugummi. Bis zu eine Billion Düfte könne der Mensch unterscheiden, erläutert Parkführerin Karin Engelke. Wer auf Zucker in seiner Ernährung verzichten möchte, kann hier auch die aus Südamerika stammende Stevia-Pflanze kennen und schmecken lernen, die bis zu 300 mal süßer ist als das kalorienreiche Produkt aus der heimischen Zuckerrübe.

    Der Echogarten verblüfft durch Zwiegespräche mittels zweier etliche Meter entfernt voneinander stehender Parabolschalen: Wie beim Telefonat können sich die Gesprächspartner über die Entfernung hinweg bestens unterhalten. Eindrucksvoll ist auch der Effekt, der sich mit der Klangschale erzeugen lässt, um die sich die Gruppe postiert: Mit Schlägen bringen die Teilnehmer die mit Wasser gefüllte Schale zum Vibrieren – und schon fegen Wellen über den Wasserspiegel. Namen wie „Ort der Idylle“, „Summstein“ oder „Tal der Schmetterlinge“ machen ebenso neugierig wie das von innen den eigenen Blick irritierende Insektenauge, das Wahrzeichen des Parks: Die Sicht wird durch dutzende kleine Rundglasfenster unterteilt, ähnlich den Facettenaugen von Insekten. Zu den jüngeren Objekten zählen die Anamorphosen-Trugbilder am Südrand des Parks, bei denen sich eine anfangs verwirrende Bildfläche in Kegeln spiegelt: So wird aus einem weißen Quadrat in grünem Kreis ein Kleeblatt, und aus einer wirren, braun-grün-blauen Fläche ein Hirsch in einer Landschaft.


    An der Klangschale lassen Vibrationen das Wasser springen

    Überraschenden Spaß mit einer großen, wassergefüllten metallischen Schale hat jeder, der sich bei der Klangschale mit etwas Zeit auf die besonderen Gegebenheiten hier einlässt. Fängt man an einer Seite langsam an, rhythmisch auf den Schalenrand zu drücken, so schwingt das Wasser mit seiner spiegelglatten Oberfläche hin und her und lässt Wolken am Himmel scheinbar tanzen. Mit etwas Übung kann man mit unterschiedlicher Schlag- und Klopftechnik auf das Metall die Wasserfläche auch anders in Bewegung versetzen: Durch die übertragenen Vibrationen entstehen mal kleine und mal große Kreise oder aber das Wasser springt sogar in kleinen Fontänen hoch. Unterhalb der Schale entsteht ein kräftiger Klang – und wer einen Finger ins Wasser steckt, bekommt durch die Vibrationen sogar eine Mini-Massage, bis hin zum spürbaren Mitvibrieren des Fingers. li


    „Weiß jemand, was das hier ist?“, fragt Karin Engelke am Ende des eineinhalbstündigen Rundgangs: Sie steht vor einem viele Meter langen Holzstück, während sich die Gruppe, von der Hitze leicht erschöpft, im Schatten eines Baums ausroht. Und gibt selbst Antwort: „Eine aus Asien bekannte Würgefeige, deren Wurzeln von oben nach unten über den Wirtsbaum wachsen.“ Und dann lädt Engelke die Gäste dazu ein, auch weitere Bereiche des Parks auf eigene Faust zu erkunden.

    Informationen zu den 38 Erlebnisstationen gibt es in einer Broschüre und auf der Internetseite der Fördervereins: verein-park-der-sinne.de.


    Die nächsten Führungen

    Führungen bietet die Stadt in der Zeit zwischen Mai und Oktober an. Die nächsten Termine sind – jeweils donnerstags – am 5. und 19. August, am 2. und 16. September sowie am 3. Oktober. Sie beginnen jeweils um 14.30 Uhr, Treffpunkt ist am Gartenhaus im Park. Teilnehmer zahlen 3 Euro, Kinder und Jugendliche von 12 bis 18 Jahren 1 Euro. Jederzeit können Gruppenführungen auch zu unterschiedlichen Themen gebucht werden. Für Gruppen bis zu 25 Personen beträgt der Kostenbeitrag 50 Euro. Der Termin ist frei wählbar, eine Anmeldung spätestens vier bis fünf Tage in Voraus erforderlich.

    Eine Besonderheit sind die monatlichen Lichtführungen, bei denen der dann beleuchtete Park nach Einbruch der Dunkelheit mit einer Führung ganz anders erlebt werden kann. Hier wird das "Lighting-Design"-Beleuchtungskonzept erklärt. Die für Freitag, 20. Juli, gegen 22.30 Uhr geplante Lichtführung ist bereits nahezu ausgebucht. Die nächste Lichtführung folgt am Freitag, 31. August, um 21.30 Uhr. Weitere Termine folgen im Herbst. Anmeldungen sind verpflichtend – telefonisch unter (0511) 82056703 oder per E-Mail an teamgruenflaechenamt@laatzen.de.


    Von Torsten Lippelt


    http://www.neuepresse.de/Regio…der-Sinne-sogar-Colakraut















    Ich rieche so gut, weil ich zu 80% aus Orangenhaut bestehe!